Im kühlen Feuerglanz der feine Flachs

Geröthet, und die Spindel eingetaucht,

Womit die Liebliche des Abends spann,

Und jedes Eckchen glomm von Licht erfüllt —

— Da hielt sie mich mit langen Küssen fest —

Und ich, der ich nicht gehen mußte — blieb!

Am Morgen erschrak ich natürlich nicht wenig, daß ein schönes, glühendes Mädchen, mit weißen, vollen Armen, in meinem Bette lag! Entsetzt darüber, wollt’ ich hinausspringen — noch einen Blick forschend über sie hin — das Herz pochte mir laut, und die Sonne, die ihr Licht über sie ausgoß, sagte mir: es sei Lisanna! und mein Gewissen sagte mir: Lisanna sei mein Weib! Und nun bestaunt’ ich sie lange, und dankte Gott für sie, und betete laut; im Bett aufsitzend. Davon erwachte sie, schlug ihre Augen auf, erröthete holdselig, setzte sich auf und verbarg sich verschämt an meinem Halse! Nur Eins fühlt’ ich, was Patrik in unserer Trauung gesagt: „Muß denn der Mensch Böses thun, um selig zu sein? Anderen rauben, um zu haben? Alle seine Kräfte zerstreuen, oder sammeln, um reich zu werden? Sein Leben an Vieles, oder an Eines setzen, um das Leben zu gewinnen! Nur auf dem Wege zum Himmel wandelt der Mensch in Blumen, und der einfache, reine Weg ist der reichste, der seligste! Wenn er auch nicht so reich, so selig wäre, daß das Herz in voller Gnüge schwelgt“ — und fast zerspringt, wie mir! setzt Ich hinzu. Das war wohl kein Jammer!


Hobarttown, Pfingsten 1820.

Seit Ostern hätte ich nichts einzutragen gehabt als: Arbeit und Freude! Freude und Arbeit! Arbeit und Freude! Ich hatte meine Schule und mein Weib, meine Arbeit und meine Freude. Ich denke immer: der Ehestand ist der Stand, wo man sich nicht etwa das Leben unangenehm machen, einander verbittern soll! Nein: angenehm und süß! Eines dem Andern! Und so thaten wir einander. Wer nur wenigstens die Seinigen immer so höflich, so liebreich behandelt, wie Fremde, die einen Augenblick in das Haus treten — wie freundlich behandelt Der sie schon! Aber hat, was mein ist, dem Ich angehöre, mit dem ich immer leben soll, nicht mehr verdient? ja Alles, mich selbst, meine größte Sorgfalt, unwandelbare Freundlichkeit und Liebe? Ich weiß nicht — ich denke mir immer, wenn ich aus Gewohnheit, daß Lisanna — der Engel — mein ist, einen Augenblick ihr nicht zulächle: daß sie ein Engel sei, der vorher nie gesehen und fremd, mir vom Himmel in das Haus gesandt ward — und gleich ist es gut! Und so denk’ ich auch von den Kindern: sie sind Engel! die nicht erst längst auf der Erde sind, und bald wieder fortwandeln; und rechne mir es zur Ehre, daß ich sie lehren kann von ihres Vaters Reich! Manchmal denk’ ich auch: es sind meine Kinder, und nun lehr’ ich mich warm und satt, daß ich ganz das Essen vergesse, bis Lisanna geduldig nur leise winkt! Ja ich glaube: daß der Herr 40 Tage gefastet hat, daß man 7 Körbe voll Brot nach der Bergpredigt aufgehoben! Ein voller Geist fühlt keinen leeren Magen. Das müssen die Obern in England auch wissen, da sie die Prediger und Schullehrer so dürftig abspeisen! Aber man hat ja Frau und — — — — Kind! siehe mir nicht in’s Buch! das schreibe ich, daß Du es lesen sollst, Lisanna!