„Guter Lambton!“

„Elisa läßt Euch heimlich und leise durch mich grüßen, und herzen und küssen! Sie herzet und küsset indessen ihr Kind — den kleinen Aeneas; denn so mußte es in der Taufe genannt werden, ich weiß nicht, warum. Um nun in dieser, für die Eltern und für Lisanna so kritischen Lage doch Etwas zu sagen, hab ich gesagt: der Aeneas sei das Kind des Schulmeisters von Hobarttown. Das ist ja die bitterste Wahrheit! Lisanna, die unschuldige Seele begreift nicht, was das ihr auferlegte Verschweigen ihrer Trauung mit Euch nun wirkt! Denn sie ist rein und selig im Herzen! Da Sir Samuel’s Absicht, die ich nur halb loben kann und muß, auf ihre Mutter und ihren Vater eindringlich und herzangreifend — durch den unbegreiflichen und unbegreiflich lieben kleinen Aeneas zu wirken, nun ganz erreicht ist, gestatte ich Euch, die Verwirrung im Hause zu lösen, wie Ihr wollt.“

„Dr. Toland.“

Wenige Zeilen, die aber zu vielen schweren Betrachtungen Anlaß gaben! Ich mochte mir ihren Inhalt gar nicht klar aus einander ziehen; wie an einer Baumwolle-Nuß daran gar nicht zupfen; ich brachte das schwellende Gespinnst nicht wieder hinein. So ließ ich die Nuß ganz unbezupft. Wenn ich nur Sir Horazio die Acte meiner Einwilligung zur Ehescheidung überreichte, so war damit Alles gethan: Elisa befreit von Verdacht und Last, Aeneas zum Erben von Rowlandhill eingesetzt! Und der arme Lambton hatte sich Sir Horazio und Lady Theano doch einen Augenblick als Schwiegersohn vorgestellt! — Ich verlor eigentlich nur Lisanna — nur! o Himmel! — nicht Elisa, die ich meines Wissens nicht geheirathet hatte. Ich bat um Verzeihung, so gut wie möglich, und war so gut wie zuvor. Ach Gott, wenn Lisanna nur auch noch so gut war, wie zuvor! Doch war sie ganz gewiß noch so gut, wie nur irgend möglich. — Und mußt’ Ich auch das Kind nehmen, o wie nahm ich’s so gern; und ein Strohhütchen im Sommer, ein warmes Röckchen im Winter, vielleicht doch einige Aepfel und Nüsse zum heiligen Christ, vielleicht sogar den alten Nußknacker dazu — hätten sie ja dem unschuldigen Kinde wohl auch zugedacht. „Victoria! Lambton,“ rief ich, „Du hast überwunden.“

Für die Acte nun, für einen neuen recht sauberen Anzug von Kopf bis zu Füßen, für Miethe eines Pferdes bis Rowlandhill, gingen meine 10 Pfund fast gänzlich darauf. Und so ritt ich denn wirklich zum andern Ende von Rowlandhill hinein; von Morgen! wie ich nach Abend zu daraus weggeritten, grade so, wie ich den Kindern erzählt, daß es Dem so gehe, der rund um die Erde reiset. Es war auch Ostersonnabend, wie damals. Dieselben Wolken schienen noch am Himmel zu stehen, dieselben Lerchen über derselben Sat zu schwirren, dieselben Knospen an den Zweigen zu glänzen! Wie damals, stieg der Rauch, wie ein Brandopfer, in die Lüfte, derselbe gute Kuchengeruch duftete aus den Häusern; die wohlbekannten Glocken schlugen mir gleichsam an’s Herz, und läuteten das Fest ein, und die Betglocke nahm gleichsam den Leuten die Mütze vom Kopfe. Auch mir. Ich hielt an, und betete lang’ und still, und rief dann: „Soli Deo Gloria! für Alles, Alles, Freud’ und Leid!“ Dabei fielen mir die Engel ein, welche die Schrift über dem Präsepio in Elisa’s Zimmer halten — und Elisa — und mein Kind! „O, ihr Engel!“ betet’ ich nun wieder fort, „schwebet auch so über der schönen menschlichen Mutter und dem lieben Menschenkinde, dem armen Lämmchen, dem kleinen Lambton! ach, so heißt er leider ja doch! Aber lasset Ihr ihm seinen Namen nicht schaden, er ist doch halbes Vollblut, und Euch verwandt durch Lisanna. Aber sehen muß ich den kleinen van Diemensländer, ja Hobarttowner doch Einmal, zum ersten und letzten Mal! und meine, meine Lisanna nur zum letzten Mal, und sollte mir das Herz darüber brechen. Und ist das gebrochen — was dann aus mir wird, gilt mir, wie billig, Alles gleich. Gefällt es mir nicht auf der Erde, so zieh’ ich unter die Erde, und unter das Meer — nach Aloa; da hab’ ich ja den Morgenstern! Oder zurück nach dem seligen van Diemensland, da hab’ ich ja mein Kreuz! Und hätt’ ich noch einen Wunsch — möchten sie die alte Anna zur Kindfrau nehmen! Kein Mensch wird das Kind so lieb haben, so warten und pflegen wie sie; auch des Nachts warm zudecken; sie schläft ja wenig; und hört sie nichts, so spricht sie doch viel, das ist gerade für Kinder; und singen kann sie, daß man Gott dankt, wenn man schläft! So schläft auch der fromme Aeneas.“

Im Gasthause, das neue Wirthsleute gemiethet hatten, die mich nicht kannten, bestellt’ ich eine gute Mahlzeit, um nach gethaner Pflicht, nach zwanzig Wochen Pein endlich einmal froh zu essen. Ich ging indeß noch mit schwerem Herzen sogleich nach den Schlosse. Ein Diener sagte mir, die Herrschaften seien nicht gegenwärtig. So ging ich in den Park. Die Blumen glänzten, die Kirschbäume blühten, und sahen aus, als ob sie aus dem Winter weißbeschneit auf das grüne Gras, in die milde Luft verzaubert worden wären; und die Bienen surrten in voller Arbeit, und zogen sich kleine gelbe Honighosen an, wie zu den Feiertagen! Die Sonne war zum Abend gesunken; und wie ich am See entlang ging, blendete mich ihr Bild aus dem Wasser; die Hecken verbargen schon die Nachtigallen, und sie schlugen aus dem glänzenden Lorbergebüsch, und selbst der Kukuk rief von den schimmernden Lindenzweigen: ich bin wieder da! kukuk! kukuk! — Ein Mädchen, die im Grase mir leise entgegen kam, war nicht Lisanna; aber das Kind, welches sie durch Tritte im Kies nicht erwecken wollte, mußte der kleine Aeneas sein. Ich hielt sie an; ich war unglaublich keck und schlug den Schleier von dem Kinde zurück — es schlief! und schlief so sanft. Welches Entzücken — und welcher Gram! nicht einmal seine Augen sollt’ ich sehen! Es sollte mich, seinen Vater, nicht sehen! Ich nahm das rosige Blüthenblatt, das auf des Kindes Stirn herabwehte, und hob es mir auf, als Reliquie, die mein Kind berührt, als Zeugen dieser Stunde. — Es mußte mir wohl sehr leid thun — denn die Wärterin fragte mich, was ich denn weine? Ach, seufzt’ ich: „gerade so ein Kind hab’ ich verloren!“ und verschleierte es, um es nicht mehr zu sehen. — Armer Mann! sagte sie leis’, und schlich leise, leise fort. — Das war nun überstanden! Auch ich schlich leise fort. Die Fenster eines Zimmers im untern Stockwerk des Schlosses standen offen, und wie ich mich unterfing, einen Blick im Vorübergehen hinein zu thun, trat Elisa in das Fenster, nahe, kaum sechs Schritt mir gegenüber. Ich stand, mich satt zu sehen und zitterte. Sie stand, sie sich — sie erblaßte, sie wankte zurück — sie war verschwunden! Ob sie die Hände ausgestreckt, oder nur erhoben? Ob sie die Lippen geöffnet, mir noch etwas zu sagen, und was? dem dacht’ ich nach, als ich endlich wieder denken konnte, und schon fern war. Auch das war überstanden! So ging ich auf den nahen Kirchhof, wo meine Mutter ruhte, und suchte und fand ihr Grab, mit jungem Gras begrünt. Ich sagt’ ihr, wie ein Träumender, daß ich glücklich wieder da sei! — so sagt’ ich, aber empfand ich nicht. Ich gedachte ihres Wortes: wenn nur das Jahr noch um ist — dann — dann — dann! — „Was die Sterbenden uns sagen, trifft nicht immer ein!“ geliebte Mutter, bemerkt’ ich ihr — „doch daran bist Du nicht schuld! und Ich nicht schuld!“

Aber Ich wohl? — sagte eine Stimme hinter mir — und Doctor Toland reichte mit die Hand. Willkommen Lambton! Ich eilte Euch nach. Elisa ist außer sich, und schickt mich her. Spielt hier nicht lange den Geist, sondern laßt Euch sehen! Sir Samuel ist mit Capitain York gekommen. Er ist seit zwei Stunden hier, auch die Russel und Talo. Diese nun hab’ ich schon gesprochen, sie sitzen mit Crabben bei seiner dicken Schwester in ihrem Laden „zur vergrößerten Käsemilbe.“ Sir Samuel ist ausgegangen. Was wollt Ihr nun thun? fragt’ er mich.

Das! Doctor Toland antwortet’ ich, und gab ihm die Acte. Er durchlief sie mit den Augen, und sagte, schlau mich ansehend: das ist der kürzeste Weg; doch übergebt Sir Horazio auch dieß Papier! Ich nahm es und steckt es unbesehen mit dem ersten wieder ein. Da sah ich Sir Horazio und Lady Theano von weitem kommen, Arm in Arm. Er hatte keinen Degen, keinen Stock, und doch fürchtet’ ich mich vor ihm. Dr. Toland eilte ihnen entgegen. Ich aber, aus Erfahrung wissend, daß man vor vornehmen Herrschaften nirgends sicherer ist, als im Gotteshause, ging in die Kirche, die, wie ich glaubte, eben zum Abendläuten offen stand. Aber ein neues großes Altarblatt — mit dessen Einfügung man eben erst zu Stande gekommen, denn es lagen noch übrige Stücke von dem breiten goldenen Rahmen auf dem Altar — zog meine Augen an, und ohne Mühe erkannte ich das Bild, welches mir Sir Samuel beschrieben, worauf er selbst als Hoherpriester oben auf den Stufen des Tempels das zu ihm hinansteigende Kind erwartet. Wahrscheinlich hatte es Lady Theano als Weihgeschenk für ihre wiedergefundene Tochter, zum Andenken der Kirche verehrt, und gerade zu morgen, zum ersten Ostertage. Aber der Mann, der, seitwärts an die Mauer gelehnt, dasselbe Bild betrachtete, wie es durch das gothische Fenster von der Abendsonne gewärmt und erleuchtet glänzte, war selber Sir Samuel! — Da hört’ ich Tritte in der Halle; heut’ hatte ich mich geirrt, denn Sir Horazio und Lady Theano traten in die Kirche, und kamen leise und langsam näher voll Betrachtung. Ein Gitterstuhl, vor dem der Taufstein stand, verbarg mich. Ich drückte das Gesicht in meine Hände, und lag so vorgebeugt, wie man das Vaterunser betet. Die Ohren klangen mir. Wie sich Lady Theano und Sir Samuel getroffen, wie begrüßt, was darauf Sir Horazio hinein gesprochen, das weiß ich nicht deutlich. Ich wagte später nur einen Blick, und sahe Sir Samuel vor Lady Theano knien, die laut weinte, und sich nicht fassen konnte. Nur die Worte vernahm ich jetzt von Horazio: — „und wenn es denn Menschen giebt, die nicht zufrieden mit dem, freilich nur einfachen, prunklosen Gefühl, gut zu sein, darin ein rasendes Vergnügen finden, zu sehen, wie weit sie der Tugend Hohn sprechen können, wie leicht das Weib — das thörichte nur — zu bethören ist, muß denn der Freund den Freund zuerst betrügen? oder jemals! muß er, unklug selbst nach seinem Sinn, an dem sich vergehen, der ihm die Rache gewiß auf das Haupt schleudert? Und so gewaltsam kannt’ ich Dich, meinen Freund, und war dein Freund, und bin dein Freund!“ Er umarmte Sir Samuel heftig, drückt’ ihn an die Brust; und sie weinten sich aus, wie zwei solche Männer weinen. Dann riß sich Sir Samuel los, und ging, seine Bewegung, seine Reue zu verbergen, hinter den Altar. Sir Horazio und Lady Theano sprachen kein Wort mit einander, als wären sie nun geschiedene Eheleute. Aber Sie ergriff zuerst wieder seine Hand und hielt sie fest. Horazio stand noch unbewegt, gewiß aus Freundschaft, voll beglückender Gedanken für Sir Samuel, bis er sein Weib ansah, die ihn mit weinenden Augen anblickte. Und sie drückten sich die Hände.

Jetzt waltete Vergebung in dem Hause, wo nur Vergebung und Liebe gepredigt wird — jetzt naht’ ich mich. — „Lambton!“ rief Sir Horazio mich verwundert an. — „Alle gute Geister!“ rief Theano. Ich verneigte mich tief; überreichte Ihm die Acte, und trat zurück, sehr glücklich. — Aber was sprach er? „Also Rector!“ sprach er, „seid Ihr, Lambton! die ganze Rectorei mit zehn Pfarreien baar bezahlt durch Toland, ist Euer Eigenthum! Ich wünsche Euch Glück, Herr Lambton, ohn’ es zu begreifen. Ihr wart sonst immer ein braver Mann — bis auf den Einen Punkt! — Das schöne gothische Schloß, wie es steht und liegt, mit allen Gemälden, Antiken, und der Bibliothek,“ wandte er sich zu Theano; „doch der alte Rector ist ein braver Mann! er will seines Sohnes Schulden bezahlen, da er auf Lebenszeit verwiesen, sein Erbe nicht sein kann.“ — Ich dachte an Appelmannsborn, worin ich dem Herrn Sohne mein Compliment gemacht; ich erröthete über Toland, der die 18,000 Pfund in Summa, also für mich verwendet hatte; über Sir Samuel’s Großmuth, der gewiß noch einmal so viel dazu gelegt, und über meinen Mißgriff. Ich streckte die linke Hand aus, und empfing die Verschreibungsacte der Rectorei, und gab ihm mit der Rechten nun die Acte, die ich meinte; aber nicht mehr so kleinmüthig! Ich war ja Rector! O wie schnell verwandelt sich des Menschen Herz! Sir Horazio überlas die Schrift, und ward feuerroth; er gab sie Lady Theano. Sie las, und kam auf mich zu, stand lange vor mir und bestaunte mich: „Was? Lambton! Sie also sind mit Elisa vermählt! vermählt? Das konnte sie verschweigen bei unserem Gram! so still wir auch das Schicksal hinnahmen, denn wir hatten ja unser Kind wieder! Ich war ja Großmutter! — Aber Lambton! ich bitte Euch!“ — Doctor Toland, der indeß gekommen und zu uns getreten war, zupfte mich am Kleide, und sprach mir leise in’s Ohr: „Aeneas macht Euch zum Anchises!“ Das Antlitz Theano’s glühte vor himmlischer Freude über die Reinheit ihrer Tochter! Gott segne sie! Doch stand sie wieder auf und biß auf die Lippen, und sah mich an. Da fand ich in meiner Angst endlich die, zum zweiten Mal um den Trauschein verfehlte, Ehescheidungsacte, und reichte sie Sir Horazio. — „Noch mehr?“ rief er neugierig, und doch — nicht unwillig. Er überlas kaum den Anfang, als er schon sagte: „Das ist zu viel! doch geht das mich nicht an! Das hat Sir Samuel zu entscheiden! Da Er Euch aber seine Tochter gegeben, so wird Er sie Euch nicht zurücknehmen. Denn Elisa ist seine Tochter, lieber Toland! Die Eifersucht sieht, was nicht ist, und so sieht sie auch nicht, was wirklich ist. Aber wovon ihn nichts überzeugen konnte von Außen, das glaubt er nun, seit er uns vor wenigen Minuten — endlich einmal angehört mit lange unglücklichem Herzen, das doch des Adels und der Liebe bedarf, um zu leben. Und auch ich werde so glücklich, als es nun meine Theano wieder werden kann, nun wir rein vor ihm dastehen.“ — „Er glaubt wieder an Tugend, das heißt an Treue, also nur an Liebe; und so ist er glücklich, und Ich und Du!“ sagte Theano. Mein Blick wollte sich an Doctor Toland stärken; aber er selbst sah mich eben so überrascht an, wie ich ihn. Doch leichter gefaßt rief er Sir Samuel. Dieser kam. Er mußte schon um Alles wissen, denn er sahe mich lange an, dann Theano, die ihm zunickte. Darauf sprach er fest: „Es soll so bleiben! Ihr habt keine arme Schule mehr, Ihr habt eine reiche Rectorei, wie ich höre. Aber bleibt Lambton, der bescheidene, geduldige Lambton, der mein Kind so liebt, daß er selbst seine Liebe bezwingen wollte, wenn Sie nur glücklich ward — wie Ihr glaubtet! Aber lieber Lambton! Gebt dem Weibe Alles, und entzieht ihr die Liebe, so habt Ihr sie bettelarm gemacht! Ihr, braver Lambton, wart kein Deportirter, sondern ein Deputirter der Vorsehung. Ich würde mich noch mehr bedauern, wenn ich nicht gerade durch meinen Irrthum mein eigenes Kind um mich gehabt! Ja, daß ich glaubte, sie sei nicht mein, und der Engel könne doch mein sein, machte mir sie doppelt im Herzen lieb: ich hatte Sie! und noch dazu die Sehnsucht nach ihr, und in dieser auch die Liebe eines Vaters. Ich führte sie mir, ihrem Vater zu, als ich vermeinte, sie ihm zu rauben! Ich raubte sie mir, als ich glaubte sie ihm zuzusenden. Doch auch Lisanna beklag’ ich nicht! Wenn eine Jungfrau so erzogen sein soll, daß sie den Mann glücklich macht; wenn sie selber glücklich ist, eine gute Mutter ihrer Kinder; wenn sie reine Freude gewährt, und die einfachen dauernden Freuden genießt, welche in uralten Tagen die Freuden seliger Menschengeschlechter waren: so preis’ ich Elisa glücklich! Und Lambton! — was sagt mein Lambton dazu?“ — Der sagte nichts, als lächelte und dachte an den Morgenstern und die Mutter im Himmel. Aber Lady Theano, deren erlittenen Harm er nicht berührte, wandte sich schonend aus Samuel’s Anblick, stieg die Altarstufen hinauf und sah’ in Gedanken und Thränen auf das Altarblatt. Da ging Sir Samuel zu ihr, ergriff ihre Hand und sprach: „es ist eine Wohlthat des Himmels, daß viele und verschiedene Menschen oft durch das Glück eines Einzigen ausgesöhnt, vereinigt und beglückt werden. Diese Einzige ist uns Allen Elisa! Was sagt Ihr Alle dazu?“ wandte er sich umher. — „Sie geben Dir Alle Recht!“ erwiederte für uns Alle Horazio. — „Eine zarte Weise zu verzeihen! und die zarteste, die schönste!“ sprach Doctor Toland, der Menschenfreund. — „Und was sagt mein Lambton?“ wiederholte er. „Unser, unser Lambton!“ verbesserten sie ihn freudig. Da kam Elisa athemlos in die Kirche, und trat unter uns. Sir Samuel aber streckte ihr die Hände von den Stufen entgegen, sie flog ihm zu, er schloß sie in seine Arme, sie schloß mich in die ihren. „Morgen, meine Kinder,“ rief uns jener zu, „zieht ihr in die Rectorei. Sie hat für Doctor Toland, sein Weib, seine Kinder, und für mich und Talo Raum. Auch die Russel soll dort wohnen! Sie gehört einmal zu Lisanna’s altem Glück.“ „Auch Eure alte Anna wird ein Kämmerchen finden,“ tröstete mich Toland recht, der Menschenfreund.

„Heut’, meine Kinder,“ sprach Lady Theano zu uns, dem neuverlobten Ehepaar, „müßt Ihr es Euch schon noch in Elisa’s Kinderstube gefallen lassen, wo der Christbaum hängt, wo der Engel jedem sein Kind beschert!“