Sehr, sehr, in der That! bekannt’ ich; wie soll mir anders sein? Wenn Ihr mich nur entschuldigt! —
Zu Schiffe ist’s, wie auf der See, lacht’ er — geht und füttert Fische, oder legt Euch platt auf den Bauch. Die schönen Damen dort trinken Kaffee, die denken Alles mit Kaffee zu kuriren! Aber das Mal irren sie sich; ich wette! ich habe schon gewonnen! — geht nur auch. Ich stand auf; blaß mocht’ ich gerade genug aussehn, das Schwanken kam mir leicht an, so gesund ich war, und so legt’ ich mich im Schatten des Bordes auf den platten Rücken nieder, faltete meine Hände über der Brust, wie ein Leichenstein, d. h. der Pfarrer darauf, und sah in den reinen, blauen, unergründlichen Himmel. Ach, er sah mir doch zu feierlich, ja weinerlich aus, als daß er mit mir scherzen, mich in den April schicken wolle; oder lag das Weinerliche nur in meinen, Augen, wie die Thränen?
Nach einiger Zeit hörte ich ein lautes Gelächter erschallen, Einige fragen, und sie dann mit darein lachen, wie ein vervielfältigendes Echo, dem eine Gesellschaft unaufhörlich zulacht. Es kam ein Halbkreis von Herren und Damen um mich getreten, das hört’ ich nur an den Tritten und Trittchen; denn die Augen hatt’ ich fest geschlossen; ich kam mir vor, wie ein Aal auf dem Aalfange, oder ein Fuchs im Fuchseisen, den die Kinder necken. Crabbe, der Steuermann, hatte mich ja schwanken sehn! Er hatte gewiß mit dem Capitain von mir gesprochen! Denn dieser lachte mit den andern, ja er lachte so herzhaft, daß er weinte. Darauf sprach er mit der Amtsstimme: „Nun ist es genug!“ und Alles schwieg augenblicklich und entfernte sich. Das ist ein braver Schulmeister! dacht ich, der Himmel segne ihn. Er setzte sich zwei Schritt von mir auf einen Hühnerkorb und sagte zu mir: Bleibt nur liegen, Herr Lambton! so heißt ihr doch? — Lambton Zeit Lebens! antwortete ich. — Crabbe kennt Euch, Lambton; er ist bitterböse auf den Stewart. Wenn Euch der Zufall nicht leid thut, ist er mir lieb. Ihr habt keine Kisten und Kasten bei Euch? —
Das weiß Gott! seufzt’ ich. —
Wohl! so nehme ich Euch für einen halben Passagier an. —
Wenn Ihr nur mich nicht halbirt, so viertheilt mich meinetwegen! seufzt’ ich mit rückkehrender Ruhe. —
Ihr habt kein Geld? —
Ich? — keinen falschen Schilling, Herr, antwortete ich mit Wahrheit; die hundert Pfund waren ja nicht mein; die durft’ ich nicht verrathen! —
Also in der That, Ihr habt kein Geld? Ihr! Ich meine Euch! sprach er und sah mich auf gut Englisch an, und murmelte schlaulächelnd so etwas von anzuordnender Aussuchung. —
Gott sei mir gnädig! rief ich. Das mußte er nun gewiß verstanden haben für: So wahr mit Gott gnädig sei! oder sah er meine wahre Ehrlichen-Mannes-Angst, denn er schien beruhigt und sprach: Wohl! dem Könige kann ich nichts verschenken; daß Ihr aber bezahlt, wann Ihr könnt, das müßte selbst Shylok zufrieden sein. Van Diemensland wird Euch gefallen, Ihr macht eine schöne Reise! Nachher wollen wir schriftlich Richtigkeit machen. —