Vom Cap aus ging die ewige Leier wieder an; und nach und nach erlaubten sich die freien Passagiere für ihr Geld ungeduldig zu werden, welches ich Freigut mich nicht unterstehen durfte. Endlich, endlich, brachte uns die Verzweiflungsinsel fast zur Verzweiflung. Man kann den Schifffahrern nicht verdenken, solche sonderbare Namen im Ocean auszustreun. Wenn man sie auf der Charte bei den Inseln sieht, die alle schön grün, oder roth illuminirt sind, glaubt man, die Leute haben ihnen nur so leichtsinnig Taufnamen gegeben, wie der Bauer seinen Kühen und Ochsen; aber nur hinaus! da versteht man die redenden Namen. Denn wer die Desolationsinsel benannt hat, dem kann man zurufen: rem acu! Auch die Ankunft berechnen durften wir nur im Stillen; denn wenn es Capitain York oder nur Crabbe hörte, daß wir sagten: bleibt der Wind so stehn, bleibt er so frisch, so sind wir in 45 Tagen an der Bassestraße, so schalten sie gleich mit dem eignen abergläubischen Gesicht: „rechnet nicht! macht uns den Wind nicht rebellisch! Zu Schiffe heißt es: mit Einem Brot hundert Meilen, und mit hundert Broten Eine Meile.“ — Wir rechneten aber heimlich den andern Tag doch, 44! und so fort 43, 42, 41, 40! nun nur noch 10 nach Löwensland; in 20 Tagen erblicken wir den Möwenstein; in 6 Tagen Tasmannscap! Ich muß sagen, der alten Römer Art, die Tage zu rechnen, hat viel Hoffnungsreiches. Sie legten den Monat ganz und voll wie ein hausbackenes Brot auf den Tisch, und schnitten alle Tage ein Stück herunter. Wir machen uns die Last alle Tage schwerer, wie die Lebensjahre; 70! So! Kinderspott! Gnadegott! — Indeß hatte man uns nicht ohne Ursache das Rechnen verboten. Die Kenner des Wolkenhimmels und des Meeres hatten einen Sturm vorausgesehn, ja rascher herbeigesehnt, um ihn gnädiger zu bekommen, der aber zu ihrem Erschrecken lange auf sich warten ließ, und nur uns überraschte, die wir seine Anzeichen nicht verstanden.
Der Himmel war eines Morgens dicht und schwer überzogen; die Wolken schienen sich, gar nicht weit von uns auf das Meer zu senken, und an Gehalt und Farbe sich ähnlich, konnte man Meer und Himmel am Horizont nicht unterscheiden. Ein unwiderstehlicher Südwest-Sturm trieb uns links von unserm Wege, an der Königsinsel im Fluge vorbei, auf die Huntersinseln los, in die furchtbare Bassestraße! Der Wind mußte Nordost gestanden haben, denn wir mußten hügelhohe Wellen, die uns noch entgegen strömten, quer durchschneiden! Im Schiffe ward alles Bewegliche von den gewaltigen Stößen durch einander geworfen; die Kanonen polterten wie Gespenster; wenn Zwei mit einander sprechen wollten, mußten sie sich anfassen, mit den Armen gegen einander stemmen und sich anschreien, wie zwei taube alte Weiber, die sich etwas Wichtiges heimlich zu sagen haben. Dem Schiffe knackten die Ribben im Leibe, die Masten knarrten und seufzeten ängstlich. Der Wind, der bisher wie ein Racepferd im Stalle, nur für ein Lamm oder einen Esel anzusehn gewesen, nur in Athem (in training) erhalten worden war, lief jetzt gleichsam Wette; es war nicht mehr dasselbe Thier, nein, ein geflügelter Drache, ein schrecklicher Dämon! Doch war ich, so zu sagen, froh: ich hatte nun erst das Meer gesehn; wenn es nur so abging! Denn wenn man Etwas dann sieht, wenn es Alles ist, was es sein kann, dann erst hat man es wirklich gesehen, vom Blüthenbaum an bis zum empörten Volke. Sonst täuscht man sich. Wie verächtlich hätt’ ich zu Hause von Wind und Meer gesprochen! — Aber es ging nicht so ab. Ich sollte noch mehr sehn, was Wasser und Wind Alles sein können, scilicet, nicht nur Fische und Wolken, sondern sogar ein Himmelsthier mit einem Beine, wie es selbst St. Johannes in seiner Offenbarung nicht vermerkt hat! Wir waren den Tag über, wenn er diesen leuchtenden Namen verdiente, den Knoten nach über 100 Meilen gejagt. Crabbe, der trotzig und still am Steuer saß, hatte das Schiff durch die furchtbaren, oft thurmhohen Felsen gleichsam durchgelogen. Daß die Sonne unterging, bemerkte man bloß an einem mattgelben Scheine, der durch den Wolkendom drang, als wäre er, die See und Alles aus einem trüben Rauchtopas, worin wir steckten, wie das Insect im Bernstein. Die Wolken regneten, selbst in dem Winde, grade herunter, als wenn es ihr Letztes wäre. Der Sturm hatte sich außer Athem geheult, und hielt inne. Nach einiger Zeit kam die Wache aus dem Mastkorbe, und sagte dem Capitain einige Worte in’s Ohr. Sie mußte unten bleiben. Er stand eine Weile; dann erst blickte er verstohlen unter dem Hute links und rechts nach der schroffen unzugänglichen Küste, die ihm zu mißfallen schien; zuletzt sah er nur, wie von ungefähr, zum oberen Himmel. Ich sah auch hinauf. Es war nichts zu bemerken, als ein schwarzes Ding, wie ein werdendes Fröschchen, mit einem Schweife, der nach unten hing, und sich dehnte, wie der schwarze Leib sich aufblies, und nach unten züngelte und lechzete. Jetzt aber brachen die Wolken gleichsam, wie ein Kirchengewölbe, ein, und der Sturmwind stürzte von oben herab, wie ein Kind in sein Schüsselchen bläst. Er hielt uns fest auf einer Stelle und drückte uns fast in den Grund. Der Capitain ging Befehle ertheilen.
Ich fragte Crabben auf sein Gewissen, was vorgehe?
Ernst und wild murmelt’ er zwischen den Zähnen: der Himmel macht Hosen! —
Was für Hosen? fragt ich. —
Wasserhosen! Hier ist die Wasserhosenfabrik! die Gewitterniederlage! das Parlament der Winde, wo sie öfter die Sprache wechseln, als die Minister. Still! still! fuhr er fort, wir können einem Schneider das Handwerk nicht legen, der solche Pantalons macht; aber ein rechtschaffener Kerl muß das Aeußerste versuchen, eh’ er sich ergiebt. Darum, Lambton, geht, Ihr seid eine fromme Seele; da habt Ihr meinen alten Hut, und nagelt ihn mit drei Nägeln an den Hauptmast, im Namen †, †, †, — Ihr wißt schon. Hilft das nichts, so hilft nichts! —
Ich eilte und nagelte tüchtig den Hut an; ja ich glaube, ich hätte eine Maus gegessen, wenn das hätte helfen sollen! Wer keinen Rath weiß, befolgt jeden, und der Hut wenigstens war behütet.
Es war plötzlich Nacht geworden, und zwar so eine, wo Eule wider Eule fliegt, sich anklammert und recht besehen muß, um die Frau Gevatter zu erkennen. Bald darauf ließ sich von Weitem ein Lärm hören, als wenn sich eine Heerde Elephanten badet, den Grund aufwühlt, mit dem Rüssel Wasser einschlürft, und fröhlich und schrecklich toset. Die Wasserhose hatte also die Meeresfläche erreicht und pumpte mit solcher Gewalt in die Wolken, daß man das Kochen und Wirbeln der See, das Schnarchen der ungeheuren Nase vernahm. Was doch in der Welt vorgeht! Was das für Dinge sind! ängstet’ ich mich, und erstaunte noch mehr. Da in solcher Nacht an keine Flucht zu denken war, hatte der brave Capitain Krieg gegen diesen Polyphem beschlossen, im Fall er das Schiff allein zu entern drohte. Er ließ in Zwischenräumen mächtige Raketen steigen, die, plötzlich in die Höhe wachsend und feurige Blätter verlierend, droben gleichsam aufblühten und ihre Blume, die Leuchtkugel, an einem Fallschirm, langsam herabschweben ließen, so daß sich der Dom des Himmels weit und breit erhellte wie beim Vollmonde: Der Himmel sah während der Zeit aus, wie eine unermeßliche gothische Kirche; denn umher ragten die thurmhohen, schlanken, geschnörkelten Felsen scheinbar eben bis in die Wolken. Welche von den Säulen, die ihn zu tragen schienen, aber der Himmelselephanten-Rüssel sei, war nicht zu unterscheiden, obgleich die andern nicht weniger zu fürchten waren; nur mit dem kleinen Unterschied, daß sie nicht auf uns los kamen, sondern wir auf sie. Nur das Getose verrieth das lebendige Ungethüm, das nun auf uns zuwandelte. So glaubten wir denn, die andern Säulen würden sich nun auch in Bewegung setzen, und uns befiel die einzige Furcht der Celten: daß der Himmel einfalle! Eine neue Leuchtkugel entdeckte uns den Feind nahe und riesengroß vor uns. Aber die Kanonenkugeln fuhren ihm durch den Leib, ohne daß er zuckte, wie der Elephant, von Flintenkugeln gestochen, kaum mit den dicken Füßen stampft. So bekam ich denn gleichsam noch ein Riesenbein von dem Gotte Tangalon zu sehn, der einst über alle diese Inseln und Gewässer geherrscht, und eigentlich noch hier unbekehrbar und unabschaffbar herrschte, und so stark war, Eilande wie Eier aus der Tiefe zu angeln, so wie jetzt sein Bein noch: Schiffe empor zu heben! — Der Capitain verordnete in dieser Krisis eine Salve aus allen Kanonen des Schiffes zugleich, um durch den Hall wo möglich die Wolken zu erschüttern, oder das Unthier zu erschrecken, daß es wie eine nach Raube vom Baume gestützte, und noch oben hangende Boaschlange, wieder zurück in das Gezelt des Himmels schlüpfe. — Sein Mittel hatte angeschlagen, oder hatte das Podagra-Bein des großen Christophs, wie die Matrosen diesen Pfeiler oder Absenker der Wolken nannten, schon ausgetanzt. Denn der wie von Geistern erbaute Leuchtthurm, den der Capitain aus zwei an einander gebundenen Raketen auf einige Minuten in die Luft gezaubert, ließ nichts mehr davon sehn. Der Donner war auch entsetzlich! Bis jetzt hatte ich ehrlich bei Crabben ausgehalten, aber der nun nahende Wirbelwind, die Katarakte von Sand, untermischten Steinen und sommerlauem Wasser vertrieb nun Alles von dem Verdeck. Selbst der brave Crabbe befestigte schleunig Steuer und Rad, und sich selber an das Sicherheits-Seil; ich gab ihm meine Mütze, und er sagte mir nur: „Ihr habt gut genagelt, Lambton! der Hut hat geholfen!“ Wir Andern flüchteten in den Raum, und verriegelten die Fallthür über der Treppe. Unten schrien und jammerten uns die Weiber entgegen, die vor Angst halb von Sinnen und halb todt waren, wie die Weiber sind; und unser Trost „es ist überstanden“ schlug noch nicht bei ihnen an. Der Capitain entmüßigte sich, ihnen zu sagen: Weiber sind nur zum Spazierenfahren! nicht zum Reisen; wenn ihr nicht auf der Stelle aufhört zu heulen, so müssen wir noch vor Euch in’s Wasser springen! — Sein William aber, der sich ihm an den Arm hing, begütigte ihn; auch auf Stephan nahm er Rücksicht, der jetzt wirklich in’s Steinreich zu gehören schien. Denn die Dummen fürchten und glauben am meisten. Ich setzte mich vor Ermattung; Clarke kniete vor mich hin und legte sein in die Hände verborgenes Gesicht auf meine Kniee. Und weil ich doch Mitleid zu haben schien, drückte sich auch die Martiniquerin an mich, und hielt in der Angst meine Hände fest. Bin ich jetzt gut genug, Frau Mistriß Distreß? dacht’ ich. Alles war vor dem Capitain verstummt. Ich habe nur einmal in meinem Leben ein solches Schweigen gehört, scilicet, wo die ganze Kirche sich nicht getraute zu sprechen, nur zu seufzen und sich mit den Augen zu fragen, was sie thun solle, nämlich, als einst der Rector in Rowlandhill vom Schrecken am Morgen über die Einziehung seines Sohnes, auf der Kanzel während der Predigt krank geworden, nicht herunter gehen wollte, und sich auch nicht gleich erholen konnte. Wie wir so stumm im Kreise um den Capitain saßen, der allein im Zimmer umher tragirte, kam mir die Scene so vor, wie in dem kleinen Theater im Schlosse der alten verrückten Herzogin von B. — Ihr Theseus, ihr Mann, hatte sie verlassen, und sie allein führte alle Sonnabend einen ganzen Sommer hindurch das Melodrama: „Ariadne auf Naxos“ bei verschlossenen Thüren auf. Die Einwohner im Dorfe waren ihr natürlich zu schlecht, ihre unwürdigen Zuschauer zu sein; deßwegen hatte sie ein schon abgesehenes Wachsfiguren-Cabinet theuer erkauft, und die hohen Personen als Zuschauer in die sechs Logen vertheilt. Da saß Suwarow Rimninsky im Hemde; Kaiser Paul, Marat, Charlotte Corday, Ankarström, Ludwig der Sechszehnte, Sokrates, Papst Ganganelli, Mirabeau, Voltaire, Friedrich der Große, und Kaiser Joseph, Gott segne ihn. Mein Vater, der Kammerdiener bei der Herzogin war, hatte mir einen Platz in einer Loge hinter dem Kopfzeuge der Königin Marie Antoinette verschafft, wo ich als Kind unbemerkt statt des umgelegten Dauphins erstaunen konnte, wenn die dicke, dicke Hottentottin Ariadne zuletzt immer vom Felsen plumpte, ohne sich Hals und Beine zu brechen, selbst nicht in dem federbettenen oder bettfedernen Meere. Mein Vater regnete, donnerte und blitzte dazu furchtbar! Von dem Anblicke der Herzogin stammt mein Abscheu gegen den Selbstmord, und es wäre gut, wenn solche Damen solche Vorstellungen publice gäben zum allgemeinen Abscheu vor — dem Selbstmord! Ich lachte beinahe, indem ich das Alles durchdachte; und es that mir wohl, zu denken, daß es jetzt auch mein Vater sei, der so donnre und regne. Uns Allen aber ein solches, weiches, trocknes Meer zu wünschen, wie die alte verlassene Herzogin sich bereitet, vergaß ich durch einen entsetzlichen Stoß des Schiffes, welcher so darin krachte, wie es im Kopfe kracht, wenn man sich einen Zahn ausreißen läßt. Wenig Minuten darauf erscholl ein tosendes Getümmel in den Untergemächern. Es entstand durch die Deportirten, welchen es nicht zu verdenken war, daß sie nicht in der zu dem Leck hereindringenden Flut ertrinken wollten. Man konnte sie nicht beschuldigen, die Wachen überwältigt zu haben: denn diese wiesen ihnen selbst mit Dreistufen-Schritten den Weg auf’s Verdeck, ja einige Hasen krochen schon in das Thauwerk. Wer ein allgemeines Unglück nicht abwehren kann, der muß es sich auch gefallen lassen, daß alle Ordnung, aller Gehorsam aufhört. Man hörte kaum den Capitain, als er Untersuchung und Ausbesserung des Schadens befahl! Denn unterdessen schwoll das Wasser sichtbar von Zoll zu Zoll. Man gehorchte ihm erst, als er die Boote auszusetzen befahl; denn damit befahl er etwas, das Jeder selbst wünschte und verlangte, ja gefordert hätte. — Da lernt’ ich, was ein Befehl ist. — Auf dem Verdeck befand er das Schiff unbrauchbar, die Segel zerrissen, verwickelt, selbst die Mastbäume durch die Gewalt des Wirbelwindes verdreht. Das Verdeck lag voll Meersand, wimmelte von Meerspinnen und Ungeziefer aller Art, tief aus dem untersten Grunde des Meeres in die Wolken gezogen, und herniedergeschüttet. Ein gewisser See-Elephant darunter war nicht weniger erschrocken, als wir. Die Damen entsetzten sich und wußten nun nicht mehr, wohin. Das Cabinetsstück aber schnaufte, erhob sich und suchte das Meer. Die nächste Angst waren wir los! Darauf ward Alles, was besonders schwer war, was sich davon nur erreichen ließ, über Bord geworfen. Nach einer Stunde hatte das Wasser im Schiffe dennoch wieder denselben Stand. Die Pumpen hatten keinen Augenblick still gestanden. Wir waren ihrer genug zum Ablösen; aber Alles fruchtete nichts. Die finstre Nacht, die Nähe des Ufers, vielleicht irgend einer Insel, der Zustand des Schiffes, und dazu noch das Bestürmen der Weiber, die Liebe zu William und Stephan bewogen den Capitain, diesen Schiffsgott, das sinkende Schiff zu verlassen, und das große Boot zu besteigen. Die wenigen Soldaten besetzten es zuerst; es ward mit den besten Sachen, Geld, Papieren und Lebensmitteln in eiliger Verwirrung beladen, und da es nicht die Hälfte der Mann- und Frauschaft aufnehmen konnte, mußten natürlich die 100 Deportirten zurückbleiben. Es ward also der Unterschied zwischen uns gemacht, den jener Zeitungschreiber — beging, welcher das Ertrinken von 6 Personen und 7 Bauern ankündigte. Einer der Deportirten, ein Richter, äußerte laut, daß ein Gesetz den Römern verboten, sein Weib oder Kind mit zu Schiffe zu nehmen, „Den Römern“ entgegnete der Capitain. „Ich rette, was zu retten ist, Krongut zuerst, dann Galgengut. Habt Geduld! Weiß Einer noch ein Mittel, uns Alle zu retten, der schlag’ es vor. Ich erlaub’ es ihm. Denn bis ich Seewasser trinke, bin Ich Capitain.“ Alle schwiegen ohne Rath. Mir stellte er frei, das Boot mit zu besteigen; aber die hochgehenden Wellen, das Sausen der Nacht, das fast überladene Boot, vor Allen aber das herzrührende Bitten Clarke’s bestimmten mich, lieber im Schiffe zu bleiben. Und der Capitain versprach ja das Boot am Tage wiederzusenden, wenn es uns fände, um Alle, Alle zu retten. So ruderten sie ab. Und während sie Leuchtkugeln von Zeit zu Zeit steigen ließen, verschwanden sie mit dem Boot in der Nacht und der Ferne, und Crabbe’s adoptirter Hund heulte vergessen und bellte ihm nach, als wir es längst nicht mehr sahen.
So waren wir uns denn allein überlassen! Von der Gefahr schien Allen nur ungewisse Rettung, von der Angst aber den Meisten gewisse, durch Betäubung vermittelst Porter, Ale, Wein, Rum und Arak, worüber sie herfielen! ja sogar Punsch machten die Furchtsamsten, und preßten Citronen mit zitternden Händen. Darauf entstand ein Lärmen, Jubeln und Singen, das über alles Vermuthen war! Wer uns gehört hätte, mußte glauben: Wir hätten die von dem erschrecklich verwogenen Capitain Parry sehnlichst gesuchte, aller Welt unnütze Durchfahrt entdeckt! Den Vernünftigen blieb, wie überall in der Welt, so auch hier in unserer Lage, die Sorge, Arbeit und Angst um die Unvernünftigen. Darum giebt es auch jetzt überall so viele — Sorge. Wir erhielten die Pumpen im Gange, und steuerten, als in der Gefahr immer das Vortheilhafteste, dem Winde nach, der sich auf einmal gewandt hatte, und uns an der Küste nun südwärts trieb. Unter den übrigen Betrunkenen, die ihre Flasche hielten, hielt ich auch meine Flasche, aber wohl verschlossen, und darin die Banknote von 100 Pfund mit der eiligst aufgesetzten Adresse:
„An Miß Marion in Schloß Rowlandhill in Altengland,
von dem ertrunkenen Lambton.“