Aber wie? — Das war die Frage; und ich that sie mit Trost, aber mit Eifer. Ich weiß nicht wie. Es ist etwas Eigenes um ein gar so schönes Weib! und in Noth und in Thränen! Sie wußte Rath. Das Opfer war nicht gering. Aber es gab nur diesen Weg, sonst keinen. Denn an Vertheidigung war nicht zu denken. — In meinen Kleidern wollte sie fliehen, mit meinem Mantel und Hut, mit meinem Bündel. Denn so hatten sie mich gewiß hereinkommen gesehn, so ließen sie mich in dem Eifer gewiß wieder hinaus; aber sie, statt mich. Ich sollte mich aber in ihr Bett legen — als Kranker, vom gelben Fieber plötzlich Befallener — wenn mich die Sclaven suchten und fänden und hervorrissen. Sie würden sehen, ich sei fremd. Selbst in der Wuth würden sie so blind nicht seyn. Am wenigsten könnten sie ahnen, daß wir schon ein Einverständniß hätten!

Bei diesem Wort sah sie mich mit Augen an, von welchen ich nicht mehr geglaubt hätte, daß sie mich angehen, mich anfechten, ja in mich dringen könnten. Ich kam aus dem Erstaunen nicht heraus. In der Welt ist Alles möglich! dacht’ ich. Zeit, Ort und Umstände sind die Herren aller Dinge. Sollte ich sie in Stücke zerhauen sehn? Doch, wenn ihre Flucht gelang, wenn sie sicher war, dann war ich erst in der größten Gefahr. Doch das dachte ich nicht. Denn . . . .

Sie war rasch zum Werk. Sie holte mein Ledertäschchen selbst aus dem Vorzimmer, sie warf meine Sachen heraus, meine besten, theuersten Sachen und Papiere, sie schloß eine Commode auf, nahm Papiere heraus, und füllte es dafür damit an; sie band mir das Halstuch ab, nahm die Weste, nahm den Hut, den Mantel, die Stiefeln, sogar; ich mußte mich in ihr weiches zartes Bett legen, sie deckte mich zu, ja, als ich gehorsam wie ein großes Windelkind, überrascht und wie gefangen mit dem Kopf in den weichen Pfühlen lag, neigte sie schnell ihr Gesicht über mich, ihr rechter Arm schlang sich unter meinem Nacken durch, ihre Stirn ruhte einen Augenblick auf meiner, und ihre Lippen küßten meine Lippen im Fluge einen Augenblick, während ich nicht aufblickte, sondern die Augen fest zugeschlossen hatte; und schnell lispelte sie mir noch zu: »Das soll Dir nicht unvergolten bleiben! So Gott will!«

Und so verschwand sie — wie mein zweites Ich, und ich träumte mit wachenden Augen, und sahe die Gluth des Feuers und hörte das Tosen in der Stadt.

So lag ich voller Erwartung der Dinge. Ich liege eine Viertelstunde, eine halbe Stunde, eine — — zwei Stunden — — ich höre keine Uhr mehr; keine Glocke; das Tosen läßt nach, das Feuer brennt lichter am Himmel als auf der Erde. Ich bin halb eingeschlafen. Endlich ganz. Ich weiß nicht wie lange. Aber mit Sorgen. Denn nun höre ich leise Tritte, überall im düstern Zimmer umher! Ich höre rufen! Es kommt zu meinem Bett! Es ruft mich! meinen Namen! Es greift und tappt auf meiner Decke, es ergreift meinen Kopf, meine Hand. Ich fasse zu, als wenn ich einen Löwen festhalten wollte.

»Ich bin’s!« spricht die Stimme. Es ist der Neger — Wilberforce. »Sind Sie hier? Sind Sie es?« frägt er.

Ich muß leider Ja sagen.

»Haben Sie Muth?« frägt er mich. »Wissen Sie schon?«

Ich habe Muth, wie Du siehst, und weiß nichts! antworte ich.

»Wissen Sie nicht ihr Schicksal?«