»In der Tat, es ist eine angreifende Sache, in solch einer Luft zu arbeiten,« fiel der Rat ein; »Sie müssen das noch gewöhnt werden, Doktorchen!«
Der Adjutant beharrte in seinem Schweigen.
Gotthard war in einer Gemütsverfassung, die sich gar nicht beschreiben läßt. Seine Gedanken wirbelten durcheinander; es war ihm nicht möglich, nur einen klar zu erfassen: nur einer, einer war in ihm mit schrecklicher Klarheit: der, daß er vernichtet sei. Er hatte ein Gefühl, als stemme sich ein Knie auf seine Brust, als läge eine Schlinge um seinen Hals, und hinter ihm, in seinem Nacken, müsse im nächsten Augenblick die Kurbel umfliegen; dann war's sein letztes Atemholen — er war ein gerichteter, ein verlorener Mensch. Sich bestimmte Fragen vorzulegen, und mit Fassung eine Antwort zu suchen, dazu kam er gar nicht. Was hätte er sich auch antworten sollen? Was hätte er tun können, was konnte er noch tun? Hätte er im ersten Augenblick aufbrausen und — Annas Vater dem eintretenden Adjutanten denunzieren, ihn ins Zuchthaus bringen sollen? Sollte er jetzt reden, jetzt noch, nachdem der Adjutant höchstwahrscheinlich, mehr als wahrscheinlich, auf den ersten Blick die Banknote wahrgenommen hatte — wo dieser sagen würde: aha, jetzt, wo Sie sich durch mich entdeckt wissen, wollen der Herr Doktor den Redlichen spielen!
Es war entsetzlich — es war eine wahrhaft verzweiflungsvolle Lage für den jungen Mann — er zog aber- und abermals sein Tuch heraus, um sich die Stirn zu wischen — seine Hände zitterten dabei; einmal sogar stieß er den General, der sich mit geschlossenen Augen zurückgelegt hatte, um einzuschlafen, an den Arm, dieser sah auf, fixierte ihn eine Weile mit schläfrigem, leblosem Blick, dann rief er plötzlich aus:
»Zum Teufel, Doktor, Ihnen ist ernstlich unwohl ... sollen wir anhalten ... dort ist ein Haus .. ein Glas Wasser wird Ihnen wohltun!«
»In der Tat — ein Glas Wasser wird mir wohltun,« versetzte Gotthard, mit der Hand an seinem Halse niederfahrend, als ob er dort etwas fühlte, was er hinunterschieben müsse ... »und, wenn Sie es erlauben wollten ...«
»Postillon, halt!« rief der General den Schwager an; und sich dann wieder zu Gotthard wendend, sagte er:
»Was soll ich erlauben?«
»Daß ich ... es wäre doch das beste ... daß ich ausstiege und ein wenig zu Fuß gehen dürfte .. zu Fuß in die Stadt zurück ... ich könnte mir dort in der Apotheke das Mittel geben lassen, das ich bei solchen Anwandlungen zu gebrauchen pflege!«
»Zurück wollen Sie gehen? Aber, Herr, wir haben Sie morgen in Thalhausen nötig!«