»Von dem Mädchen wohl nicht, aber vom Vater!« flüsterte der Adjutant.

»I, weshalb — der Doktor, meine ich, könnt solch einem Wirte gut genug sein!«

»Ach, dem Herrn Espenbeck sicherlich nicht,« antwortete der Regierungsrat, »der ist hochmütig und brutal, trotz all seiner gewandten Manieren — er ist ehrgeizig, reich, will sich mit der Klerisei nicht überwerfen, indem er einen Schwiegersohn von einer anderen Konfession nimmt — nein, nein, das hätt' ich dem guten Doktor vorausgesagt! Da ist keine Hoffnung für ihn!«

»Das Mädchen ist bildhübsch!« sagte der Adjutant. »Ich habe ein paarmal im vorigen Winter mit ihr getanzt; und dazu eine gescheite kleine Hexe!«

»Armer Doktor!« sagte der General; »ich hoffe nur, er tritt morgen früh zur rechten Zeit zum Dienst an.«

Dabei lehnte er sich wieder in die Wagenecke zurück und schloß die Augen.

VII.

Gotthard schritt unterdes in die Stadt zurück — anfangs mit unstetem Gange, bald hastig eilend, bald langsam schleichend. Doch je näher er ihr kam, desto fester und gleichmäßiger wurde sein Gang, desto rascher und fester sein Schritt. Es war der Schritt eines Mannes, der nicht mehr in unklarem und wirrem Widerstreit mit sich ist, der einen festen Entschluß gefaßt und das Bewußtsein hat, daß dieser Entschluß mit dem unerbittlichen Muß, einer eisernen und unbeugsamen Notwendigkeit zusammenfällt; daß das Schicksal, indem es seinen Willen bestimmte, mit ihm wie mit einem Willenlosen verfährt und ihn auf den einzigen Ausweg aus seiner Lage zugeführt, der ihm geblieben.

In der Stadt angekommen, schritt er geraden Weges auf die Apotheke zu.

»Geben Sie mir zwei oder drei Gran Amygdalin,« sagte er eintretend mit leiser, aber ruhiger Stimme.