Anna warf ihre beiden Arme um den Nacken ihres Verlobten und legte, in Tränen ausbrechend, ihre Stirn auf seine Schulter.

»Das sind ja böse Dinge, die du mir da mitteilst, Anna,« sagte Gotthard, einen Kuß auf ihren Scheitel drückend.

»Ach ja, wir sind sehr, sehr übel daran, wir armen Kinder, nicht wahr, Gotthard,« sagte sie, mit dem weinenden Antlitz zu ihm aufblickend.

»Gewiß,« versetzte er gerührt und mit zuckender Lippe — »aber was willst du denn, was ich tun soll?«

»Nichts, gar nichts,« antwortete sie höchst lebhaft und, nachdem dem mädchenhaften Bedürfnisse nach ein wenig Mitleid mit sich selber genügt war, wieder in einen heiteren Ton übergehend — »du sollst gar nichts tun; die Mutter, weißt du, die Mutter ist gut, und der Mutter sollst du dich zeigen und ihr gefallen, und dann, wenn du wieder abgereist bist, will ich's ihr sagen, und sie soll dann dem Vater die Sache vorstellen, so nach und nach, weißt du, und dann sollst du zurückkommen, ich schreib's dir dann, wenn es Zeit ist!«

»Aber mein Gott, das zieht ja die Sache endlos hinaus; und ich begreife deine Angst nicht. Was kann denn der Vater wider mich haben? — ich ...«

»Ach, das weißt und begreifst du nicht, wie die Menschen hier sind,« fiel sie lebhaft ein — »du bist ein Fremder, du hast einen anderen Glauben, du würdest mich in Gott weiß welche Ferne entführen, wenn du einmal versetzt wirst — arm bist du auch ... o Gotthard, wir müssen sehr, sehr auf große Hindernisse gefaßt sein!«

»Auf unübersteigliche am Ende?« fiel Gotthard niedergeschlagen ein.

»Laß uns darum den Mut nicht verlieren,« sagte sie leise, die gefalteten Hände auf seine Schulter legend und innig zu ihm aufschauend. »Aber mit dem Vater reden darfst du noch nicht — nicht wahr, du wirst es nicht, du versprichst mir's?«

»Ich verspreche es dir.«