»Bitte um Entschuldigung,« sagte er flüsternd, hastig. »Ihre Rechnung ist schon bezahlt, Herr Doktor!«

»Schon bezahlt? Von wem?«

Herr Espenbeck legte die quittierte Gasthofsrechnung auf den Tisch — auf derselben lag eine Banknote — ein Hunderttalerschein.

Gotthard blickte starr auf das graugrüne Blatt, dann auf den äußerst freundlich lächelnden Herrn Espenbeck, der sich eben mit einer Verbeugung entfernen wollte, als sich die Tür brüsk noch einmal öffnete — der Adjutant stand auf der Schwelle.

»Zum Teufel, Doktor, wo bleiben Sie?« rief er aus. »Der General sitzt seit zehn Minuten im Wagen und wartet.«

Hatte Gotthard einen Moment vorher den Wirt betroffen angestarrt, so fühlte er jetzt alles Blut zum Herzen schießen und seine Gedanken sich vollständig verwirren. Leichenblaß werdend, griff er nach der Banknote, um sie in seiner Brusttasche verschwinden zu lassen — es war der Trieb des Augenblicks, der ihn beherrschte — es war nicht die Sache der Überlegung, es war instinktartig ... mit zitternder Hand faßte er dann die Mütze — den Reisesack vergaß er — Herr Espenbeck fand es nicht auffällig, er glaubte, ihn zu tragen, überließe Gotthard ihm — so gingen sie heraus, der Adjutant schritt voran und sprang auch unten vor dem Hause zuerst wieder in den Wagen; Gotthard stieg, von Herrn Espenbeck freundlich unterstützt, ihm nach. Espenbeck reichte den Reisesack dem Postillon auf dem Bocke zu, und während er sich dann noch einmal verbeugte und glückliche Reise wünschte, rollte der Wagen davon.

Durch die Glasscheiben in einem kleinen Hinterzimmer hinter der allgemeinen Wirtsstube unten im Gasthofe sahen einige junge Männer ihm lächelnd nach.

»Vivat der Stabsdoktor!« sagte Jansen, ein stämmiger, untersetzter Bursche, der aussah, als könne er Bäume umreißen ... »der Doktor sagte, ich hätte einen Krampfaderbruch — soll mich der Teufel holen, wenn ich's selber gewußt oder je davon gehört habe! Er soll aber doch leben, der Krampfaderbruch so gut wie der Doktor!«

»Und Herr Espenbeck nicht minder,« fiel, mit dem ganzen Gesicht lachend, ein etwas blasser und schmächtiger Jüngling, Herr Henrici vom Nesselwebergeschäft, ein — »an mir fand dieser scharfsinnige Doktor, ich hätte Plattfüße und könnte nicht marschieren.«

»Wollt ihr still sein, ihr unbesonnenen Jungen,« fiel ihnen der Wirt ins Wort; »wenn nun das mein Lohn sein soll, daß ihr's laut ausruft, und hinter der Flasche jedem, der's hören will, verratet, so lauf' ich lieber jetzt noch hinter dem Wagen drein und ...«