Sie wünschen noch ein Pariser Ragout? Cagliostro macht glänzende Geschäfte. Er ist, bei Gott, ein großer Erzieher, denn er beweist, daß man nur die Frechheit haben muß, Glassplitter für Edelsteine auszugeben, um alle Narren – d.h. die Mehrheit – glauben zu machen, daß sie es wirklich sind.
Die Redoute chinoise ist im Beisein der besten Gesellschaft eröffnet worden. Ein Variété, wo man Dirnenlieder singt und Vagabundengeschichten erzählt, eine Bildungsanstalt also, die bestimmt ist, in den Theatern für »das Volk« Platz zu machen. Die Übersättigten kehren bekanntlich immer zum Schweinefett als zu einer Delikatesse zurück.
Die Muse Rétifs de la Bretonne ist wieder einmal kläglich niedergekommen. Für ein Siebenmonatskind ist das Kleine recht lebhaft, und dabei von einer Natürlichkeit –! Zeigten seine älteren Geschwister nur den völlig feigenblattlosen Körper, so geht das jüngste so weit, auch seine primitivsten Funktionen blos zu stellen. Sein Erfolg ist selbstverständlich enorm. Ist das am Ende ein Beweis für unser Greisentum? An Exhibitionen berauschen sich immer nur Zeugungsunfähige.
Übrigens ist Herrn Rétif in dem Chevalier Choderlos de Laclos ein gefährlicher Konkurrent erstanden. Seine »Liaisons dangereuses« sind ein graziöses Büchlein, und wie Rétif der Rousseau der Gosse ist, so dürfte Laclos der Rétif der guten Gesellschaft werden.
Von alten Freunden hat sich der gute Laharpe mit einer Ausgabe seiner gesammelten Werke eingestellt. Man pflegte das früher der Nachwelt zu überlassen, und wenn es mich schon überrascht, daß Laharpe den Mut besitzt, seine ganze Karriere – vom begeisterten Anhänger Voltaires bis zum Freunde Marie Antoinettes – offenherzig zu enthüllen, so wundert es mich weit mehr, daß er die Selbsterkenntnis besitzt, zu tun, woran nach seinem Tode niemand mehr denken würde. Er ist, wie Herr von Chamfort bissig bemerkte, eben ein Mann, der sich seiner Fehler bedient, um seine Laster zu verstecken.
Der Herzog von Chartres hat die große Allee vom Palais-Royal niederschlagen lassen, um gedeckte Wege anzulegen. Seitdem die Spekulanten wie Prinzen leben, ist es den Prinzen nicht zu verargen, wenn sie Spekulanten werden.
Madame de Genlis hat sich nun auch entschlossen, die Reform der Erziehung in die Hand zu nehmen –, natürlich indem sie ein Buch darüber schrieb. Ist der Eifer, die Kinder vor schlechter Erziehung zu retten, nicht schrecklich rührend in einer Zeit, wo die Eltern kein Brot mehr zu essen haben!?
Sie sehen, eine Überfülle erstaunlicher Ereignisse; kommen Sie bald, damit Ihnen nicht allzu viel entgeht, – vor allem aber, damit Sie Figaros Sieg erleben!
Baron Ferdinand Wurmser an Delphine.
Paris, den 10. Februar 1782.