Ich versichere Sie, die Empörung schnürt mir noch jetzt die Kehle zusammen: nach drei Jahren der Abwesenheit kehre ich wieder, finde den Ruin vor der Türe, die Angst um die Existenz in den Mienen eines Jeden, sehe die Einen in sinnloser Furcht fremden Gauklern in die Arme laufen, die Anderen ihren Zorn in nichts weiter als Reden und Journalartikeln Luft machen, und muß erleben, daß einer der Ersten im Lande die Vernunft für gerettet, die Wahrheit für siegreich erklärt!

Ach, Delphine, wer sich in die Einsamkeit zu flüchten vermöchte, fern all den wirren Stimmen der Gegenwart! Ich denke oft des weißen Schlößchens zwischen geschnittenen Laubengängen, und des Schwanenweihers davor und des kleinen hellen Tempels auf grüner Wiese!

Aber die Zeit ist zu hart, als daß wir uns erlauben könnten, sentimental zu werden. Wir dürften nicht einmal fröhlich sein. Ich würde mich der Teilnahme an den kommenden Festen schämen, wenn Ihre Anwesenheit nicht alles entschuldigte. Nur zum Komödianten, mit anderen Worten: zum Spaßmacher der Gesellschaft, vermöchte ich mich nicht herzugeben; – es tut mir weh, daß Sie dazu imstande sind! Zürnen Sie mir nicht wegen meiner Offenherzigkeit! Das Verstecken alles wahren Gefühls hat die allgemeine Verlogenheit so sehr züchten helfen, daß ich lieber grob und grade bin wie die Amerikaner.

Graf Guy Chevreuse an Delphine.

Versailles, am 6. Mai 1782.

Ihre Absage, schönste Frau Marquise, können wir nicht gelten lassen; Sie stören unser ganzes Ensemble, die künstlerische Einheit und vor allem: das Vergnügen der Gäste, die reizendste der drei Grazien vor sich zu sehen. Der Vorwand schlechten Befindens gilt im Paris Cagliostros nicht, noch weniger der der schlechten Stimmung, die eine Marquise Montjoie weder haben und noch weniger bei ihrer Königin hervorrufen darf.

Ihre Majestät ist ernstlich gekränkt und es ist nicht unmöglich, daß sie nunmehr befiehlt, nachdem sie umsonst gebeten hat. Setzen Sie sich dem nicht aus, Holdseligste; Ungnade schmeckt bitter. Ich habe mich gestern schon von einem Sturm allerhöchst schlechtester Laune bis in meine innersten Gemächer wehen lassen. Die Ursache ist gewichtig genug: Der Juwelier Boehmer wurde in Audienz empfangen, um ein Brillanthalsband vorzulegen, das an Pracht alles Dagewesene übertrifft. Die Gräfin Polignac schmückte Ihre Majestät damit, – eine Märchenprinzeß, der ihre Mutter, die Sonne, alle Sterne des Himmels um den Nacken legt, hätte sie nicht überstrahlen können. Nur die Freude, die ihre Augen erhellte, schuf noch glänzendere Edelsteine.

Sie ging damit zum König. Eine Viertelstunde verrann nach der anderen; auf dem Gesicht des Juweliers wechselte schon die Röte der Aufregung mit der Blässe der Angst; da hörten wir die bekannten Vorboten königlichen Zorns: rasche Schritte – Türenschlagen. Ihre Majestät erschien, – mit roten Augen und bebenden Lippen, das Halsband in zusammengeballter Hand.

»Da haben Sie Ihren Theaterschmuck,« sagte sie und warf ihn auf die Marmorplatte des Tisches, daß er klirrte. »Die Steine sind falsch.«