Daß Sie nicht dabei gewesen sind! Es war ein Tag ohnegleichen: Die Straße nach Gennevilliers von früh an überflutet mit Karossen und Reitern; die Säle des Schlößchens überfüllt von allem, was durch Schönheit, Geburt, Geist und Reichtum Paris zur Zentralsonne des Erdballs macht; dabei jene fieberische Spannung auf allen Zügen, die die Augen leuchten und jeden glauben läßt, daß der beschleunigte Herzschlag nichts als das Zeichen der Kraft und Jugend ist. Man vergaß in der Erwartung die neuesten Skandale und Chansons, von denen man sonst zu leben pflegt.

Der Saal war kaum imstande, die Masse der Gäste zu fassen. Noch hatte sich der Vorhang nicht geteilt und schon lag es wie Gewitterschwüle über allen Köpfen. Sie steigerte sich mit jeder Szene. Recht und Gesetz, Moral und Religion, Philosophie und Politik –, all das zog in den Gestalten des Guzmann und des Bartholo, des Basilio und der Marzeline, des Almaviva und des Figaro auf der Bühne an uns vorüber, wurde besprochen, verhöhnt, mit den Geißelhieben des Witzes blutig geschlagen. Und wir saßen da, wie gebannt, zwischen Empörung und Beifall, Zähneknirschen und Gelächter hin und hergerissen.

War es die Erregung, die heiß aus allen Poren drang, war es das Feuer der zahllosen Kerzen, – die Sonne der Sahara kann nicht glühender sein, als die Luft, die wir atmeten. Schon hörte ich Schreckensrufe ohnmächtig werdender Damen, als die Scheiben der hohen Fenster in gleichmäßigen Intervallen klirrend zerbrachen: Beaumarchais selbst schlug sie mit der Krücke seines Stockes ein, um die Frische von draußen hereinzulassen. Erst als sie mir den Kopf umwehte, wurde mir klar, daß sein Stück wie ein Sturmwind über uns weggefegt war.

Er wurde mit Beifall überschüttet. Kein Zweifel, daß er nun in kurzer Zeit die öffentliche Aufführung seines Werkes durchsetzen wird. Ob es uns dann noch ebenso amüsiert? Ich lache gern über mich selbst, aber es wäre das Zeichen einer gefährlichen Gleichstellung, wenn der Pöbel sich je erlauben sollte, über mich zu lachen.

Die meisten Gäste, die Graf Vaudreuil nicht zu logieren vermochte, fuhren in der Nacht noch zurück. Die Pariser Ärzte werden zu tun haben; es regnete in Strömen, und bei den aufgeweichten Wegen und der fast undurchdringlichen Finsternis bewegten sich die Wagenreihen mit ihren frierenden Insassen nur ganz langsam vorwärts.

Ich fuhr mit Herrn von Wurmser. Er ist in sehr gedrückter Stimmung. Sollte er in seinem Vertrauen zu Cagliostro zu weit gegangen sein? »Ich fürchte, die Zeit der Goldmacher ist vorüber und die der Barbiere gekommen,« meinte er bitter.

Marquis Montjoie an Delphine.

Schloß Froberg, den 2. Oktober 1783.

Meine Liebe. Ihre Absicht, das seit langem unbenützte Schloß Laval zu ihrem Aufenthalt zu wählen, noch dazu jetzt, wo der Winter vor der Türe steht, ist befremdend. Da es aber ausschließlich Ihr Besitztum ist und Sie, wie mir scheint, nur zwischen diesem und irgendeinem andern Ort wählen wollen, um weiter von mir getrennt zu leben, so will und kann ich Ihre Entschlüsse nicht beeinflussen. Ihre Erlaubnis vorausgesetzt, werde ich einen Teil der Dienerschaft nach Laval senden, um wenigstens das Notwendigste für Sie vorzubereiten.

Mir geht es gut.