Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Montbéliard, den 19. Oktober 1783.
Meine geliebte Delphine. Wie recht Du hattest: schon atme ich freier in der trauten alten Umgebung; schon sehe ich, wie viel hier vernachlässigt wurde, seitdem mein Bruder, der regierende Herzog, sich ganz auf seine preußischen Besitzungen zurückgezogen hat, wie ich alle Kräfte anspannen muß, um die Folgen jahrelanger Mißwirtschaft durch gewissenlose Verwalter wieder gutzumachen. Daß ich notwendig bin, daß Arbeit meiner wartet, macht mich schon froh.
Ich ritt heute nach Laval, – den schönen Waldpfad, der mich täglich zu meinem Engel führen soll. Klopfenden Herzens sah ich die altersgrauen Türme vor mir aufsteigen, aus deren Fenstern das süße Köpfchen eines kleinen Mädchens mir einst schelmisch entgegennickte.
Im Schloßhofe fand ich reges Leben: man lud von hochbepackten Wagen Möbel und Kisten und Kasten ab. Sonderbar: mir schnürte der Anblick, der doch ein Zeichen Deines Nahens ist, das Herz zusammen! Ich fühlte, daß hier die Sorge dessen waltet, der Dich mir stumm überläßt –, ob aus verächtlicher Gleichgültigkeit, oder aus großmütiger Entsagung, beides ist gleich niederdrückend.
Aber ich will Dich nicht wieder quälen, Du armes Herz, die Du mir alles zu Liebe tust, und so grenzenlos um mich leidest!
Marquis Montjoie an Delphine.
Schloß Froberg, am 1. November 1783.
Meine Liebe! Es bedarf nicht des Dankes. Ich habe nur meine Pflicht getan, indem ich das Schloß Ihrer Väter, aus dem ich einst ein unwissendes Kind entführte, für seine Rückkehr empfangsbereit machen ließ. Ich wünsche nur eins: von Zeit zu Zeit, – nach vorheriger Ansage, – empfangen zu werden, um möglichem Getuschel böser Zungen die Spitze abzubrechen. Da ich Anfang nächsten Jahres in Sachen meiner Vermögensverwaltung nach Paris zu gehen beabsichtige, werde ich mir erlauben, mich in den Weihnachtstagen nach Ihrem Befinden zu erkundigen.
Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.