Montbéliard, den 6. Januar 1784.
Heute nur einen zärtlichen Gruß, Geliebteste. Ich kann nicht kommen; Scharen von Landleuten strömen in die Stadt und sammeln sich vor dem Schloß. Die fürchterliche Kälte treibt sie her, aber obwohl ich fast allen Vorrat an Holz und Nahrungsmitteln verteilen ließ und die Erlaubnis gab, den Wald von Navire zu schlagen, nehmen vor allem die fremden Leute eine drohende Haltung an. Ich habe die Ställe und die Reitbahn öffnen lassen, um wenigstens den Frauen und Kindern Unterkunft gewähren zu können.
Mein Bote ist beauftragt, Deine Antwort entgegenzunehmen und sich durch eignen Augenschein zu überzeugen, ob Laval in Sicherheit ist. Im Notfall lasse ich selbstverständlich alles im Stich und komme zu Dir.
Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Montbéliard, den 7. Januar 1784.
Geliebteste! Fürchte dich nicht. Wie kann mir etwas geschehen, da ein Engel wie Du mich mit seiner Liebe schützt! Der Reitknecht erzählte mir alles, selbst gerührt von dem, was er gesehen hatte: im Rittersaal von Laval die Menschenmenge, blasse Gesichter, zerlumpte Kleider, magere, von Frostbeulen bedeckte Glieder, von den glühenden Scheiten im Kamin grell beleuchtet, Du selbst mitten unter ihnen, furchtlos auch angesichts der rohesten Gesellen!
Ich schicke Dir heute ein paar handfeste Leute zum Schutz. Ein Feuersignal auf dem Bergfried, und ich selbst bin in kürzester Frist bei Dir.
Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Etupes, den 9. Januar.