Paris, den 9. April 1787.
Meine Liebe. Das Gefürchtete ist eingetroffen, ohne mich noch überraschen zu können. Ich habe mein Vermögen verloren. Das Wenige, was ich im Laufe der letzten Tage sicherzustellen vermochte, wird grade nur ausreichen, uns vor Entbehrungen zu schützen. Ich bedaure die Sachlage um Ihretwillen, die Sie an ein luxuriöses Leben gewohnt sind. Für meinen Erben möchte ich sie dagegen beinahe als ein Glück bezeichnen. Der Reichtum hat den Adel Frankreichs in Bahnen gelenkt, die ihn seiner besten Kräfte berauben; die Armut wird ihn unweigerlich vor die Wahl stellen, untergehen zu müssen oder sie zurückzugewinnen. Die Zukunft bedarf eines Geschlechtes von Eisen.
Ich werde meiner Gemahlin keine anderen Kleinodien, und meinem Erben nichts mehr zu hinterlassen haben als die Ehre meines Namens. Ich erwarte, – das einzige, was mir das Leben noch zu erwarten übrig ließ –, daß sie sich dieses Schatzes würdig erweisen.
Ich folge diesem Brief auf dem Fuß, da ich zunächst in Straßburg alles Geschäftliche zu erledigen habe. Froberg bleibt uns. Wir werden uns jedoch auf die Burg beschränken müssen.
Graf Guy Chevreuse an Delphine.
Saint-Cloud, den 4. Mai 1787.
Teuerste Delphine! Das Unglück, das Sie traf, hat mich mit betroffen, wenn ich auch zu sehr zur alten Schule gehöre, als daß ich öffentlich Tränen darüber vergießen könnte. Sie wissen doch: sogar die Notabeln weinten, als Calonne, der arme Prügelknabe, gegangen war und der König ihnen die Vorlage aller Rechnungen versprach; sie haben ihre Tränendrüsen offenbar für Schmerzen und Freuden ordentlich eingeteilt.
Die Königin erstarrte förmlich, als sie von Ihrem Schicksal erfuhr; sie kam gerade vom Krankenbett des Dauphin, wo sie ihren Vorrat an Tränen gelassen haben mochte. Heute sagte sie mir, ich möge Ihnen mitteilen, daß sie noch so glücklich ist, Ihnen beistehen zu können.
»Daß die kleine Marquise ihre Perlen verkaufen mußte, erregt mich nicht,« sagte sie, »vielleicht hing auch an diesem wundervollen Geschmeide ein böser Fluch! Aber daß sie verurteilt wurde, in der dunklen Burg zu wohnen – ein sonnengewöhnter Paradiesvogel im Käfig! – das macht mich schaudern.« Sie bietet Ihnen an, in ihren Hofstaat einzutreten, und würde Ihnen im geheimen aus ihrer Schatulle die Mittel dafür bewilligen.
Könnten wir nicht doch noch inmitten des schwarzen Weltmeeres eine Insel der Seligen mit den Flüchtigen vom anderen Ufer bevölkern?!