Graf Guibert an Delphine.

Paris, den 22. März 1787.

Verehrte Frau Marquise. Ihre Antwort auf meinen Brief war so diplomatisch, daß ich wieder einmal von der Begabung der Frauen für die Politik überzeugt worden bin.

Inzwischen haben die Ereignisse mir rechtgegeben. Calonne wird über ihnen stürzen, jetzt besonders, wo sein kopfloser Appell an die Öffentlichkeit sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen hat. Das Volk steht auf Seite der Notabeln, nur weil sie die Frondeure der Regierung sind. Die Zahlen, die allmählich, trotz des strengsten Schweigegebots durchsickern, steigern die Aufregung und rauben uns allen Kredit und alles Ansehen. Man hört von geheimen Rüstungen in England, von preußischen Truppen, die sich an der holländischen Grenze zusammenziehen. Der Tod Vergennes', eines tüchtigen Mannes, der verstand, unsere auswärtige Politik durch die bedrohlichsten Stürme zu steuern, die Unfähigkeit des Lakaien Montmorin, seines Nachfolgers –, das alles sind Vorboten trüber Tage.

Aber nicht, um Sie mit ihnen zu schrecken, schreibe ich heute, sondern um Sie um die Gnade zu bitten, Sie bei meiner Inspektionsreise im Elsaß aufsuchen zu dürfen. Sollten Sie im Mai nicht in Froberg sein, so darf ich noch eine Nachricht erwarten. Oder dürfte ich, trotz Ihrer offenbaren Ungnade, darauf hoffen, auf alle Fälle eine Zeile von Ihnen zu erhalten? Meine unerschütterte Verehrung für Sie sollte wenigstens auf die Gewährung eines Handkusses rechnen können!

Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.

Paris, am 9. April 1787.

Geliebteste Delphine. Ich beeile mich, Dir durch besonderen Kurier mitzuteilen, was Dich und uns auf das Nächste berühren muß. Calonne wurde heute seines Amtes enthoben. Über die schwindelnde Höhe des Defizits herrscht in der Pariser Bevölkerung kein Zweifel mehr. Die Bankhäuser Saint-James und Boutin sind seit gestern geschlossen. In der heutigen Sitzung erschien der Marquis als ein Gespenst seiner selbst, aber in grader, tadelloser Haltung. Er bat, wie ich erfuhr, um Urlaub. Wie weit er an dem Ruin des Herrn von Saint-James beteiligt ist, weiß niemand.

Ich hoffe mit Bestimmtheit, daß diese Zeilen Dich vor seiner Ankunft erreichen, und Dein gütiges Herz nicht unvorbereitet seinem Unglück gegenübersteht.

Marquis Montjoie an Delphine.