Ehe Du diesen Brief erhältst, werden wir zusammengetreten sein. Eine eben erschienene Broschüre steigert noch die Erregung. Sie trägt den Titel: »Letzte Gedanken des Königs von Preußen«, und enthält unter anderem folgende Sätze, die heute früh in großen Lettern an den Straßenecken prangten:

»Nationen, die mit geborgtem Geld Kriege führen, werden niemals Frieden haben; nach dem Krieg mit dem Nachbarn beginnt der Krieg mit den Geldgebern; das Volk kommt nie zur Ruhe. Bleibt schließlich nur der Ausweg des Bankrotts, und er ist unvermeidlich.«

Marquis Montjoie an Delphine.

Paris, den 3. März 1787.

Meine Liebe. Die außerordentlich anstrengende Tätigkeit im dritten Bureau der Notabelnversammlung macht es mir erst heute möglich, Ihnen für die gewünschten regelmäßigen Berichte zu danken. Es freut mich zu hören, daß Sie und Godefroy sich wohlbefinden.

Obwohl die Geheimhaltung der Verhandlungen mir verbietet, Ihnen ihren Verlauf im einzelnen zu schildern, so halte ich mich doch für verpflichtet, Ihnen, im Vertrauen auf Ihre unverbrüchliche Verschwiegenheit, – jede Veröffentlichung der Tatsachen würde unabsehbares Unglück heraufbeschwören –, den Ernst der Lage nicht vorzuenthalten.

Stutzig gemacht durch die Andeutungen des Finanzministers über die Höhe der Schulden, und empört über die uns zugemutete neue Grundsteuer, – der Adel Frankreichs hat sich bisher die Steuer des Bluts und des Lebens für den König selbst auferlegt und braucht sich darum nicht wie ein jeder Krämer des dritten Standes behandeln zu lassen, dem man die Opfer für das Vaterland erst abzwingen muß, – haben wir einen Rechenschaftsbericht verlangt, um ihn mit dem Compte rendu Neckers vergleichen zu können. Er ist uns gestern in unzureichendster Weise gegeben worden. Darnach scheint die Schuldenlast seit 81, wo ein Überschuß von 10 Millionen konstatiert wurde, auf nicht weniger als 112 Millionen angewachsen zu sein. Das bedeutet, wenn die Aufstellung richtig und wenn eine Deckung nicht zu beschaffen ist, den Staatsbankrott, und wenn die Öffentlichkeit unterrichtet wird, eine ungeheure finanzielle Deroute. Diese beiden Möglichkeiten bitte ich Sie, ins Auge zu fassen und sich darauf vorzubereiten, daß auch ich den größten Teil, wenn nicht den ganzen Rest meines Vermögen bei dem stark engagierten Bankhaus Saint-James verlieren könnte.

Es ist selbstverständlich, daß wir Alles tun, um ein Unglück zu verhindern. Es ist aber auch ebenso selbstverständlich, daß wir uns nicht, wie die Regierung zu erwarten schien, zu ihrem willenlosen Sprachrohr machen. Alle sieben Bureaux haben trotz des leidenschaftlichen Widerstandes des Herrn von Lafayette und seiner Anhänger, die um den Beifall der Straßenpolitiker zu geizen scheinen, die Grundsteuer abgelehnt, ehe uns nicht die detailliertesten Nachweise über die finanzielle Lage gegeben werden. Verschwendungen ungeheurer Art oder schmähliche Veruntreuungen innerhalb der Regierung sollen wir gezwungen sein, auf unsere Schultern zu nehmen? Der König, der sein Ohr schlechten Ratgebern lieh, hat es verstanden, den Adel, auf den er sich sonst allein stützen konnte, im Lager seiner Gegner zu sehen.

Sollte Außerordentliches geschehen, so werde ich Ihnen durch besonderen Kurier Nachricht geben.