»... Mit eiserner Kraft hielt der Marquis sich noch in Straßburg aufrecht. Als der Marstall sich leerte, als die bepackten Möbelwagen sich unter Peitschenknallen und Räderknarren schwankend von Montjoie fort bewegten und der alte Gärtner mit zitternden Händen die Läden des leeren Schlosses über die schwarzen Fensterhöhlen legte, als die Dienerschaft Abschied nahm –, einer nach dem anderen in endlos scheinender Reihe, da stand er immer noch gerade aufgerichtet und hatte ein Lächeln für jeden wie bei einem großen Empfang...«
Rühmst Du nicht mit jedem Wort den hartherzigen, alten Mann, der für scheidende Untergebene ein Lächeln, für sein Weib nur die Folter hat?!
»Am Abend aber fand ihn der einzige, alte Diener, den wir behalten haben, bewußtlos am Boden neben seinem Schreibtisch. Erst nach Tagen der Sorge« – (Sorge um einen Menschen, der Dich kaufte?!) – »kam er zu sich. Seitdem wird das Sprechen, das Gehen ihm schwer. Unermüdlich läßt er sich im Rollstuhl durch die düsteren Räume fahren. Nur die Arme kann er bewegen, wie immer.« –
Um Dich zu halten, Dich und unser Kind! –
»Und gerade jetzt, in dieser gräßlichen Not sollte ich von ihm gehen, sollte in dem Mann, der alles verlor, den Glauben erwecken, daß ich wohl seinen Reichtum genießen, nicht aber seine Armut teilen kann? Die Frage, die zu stellen Du von mir verlangst, die Flucht, die mir übrig bleibt, wenn ein hartes Nein seine Antwort ist, würden den Geschwächten töten. Kannst Du verlangen, daß ich seine Mörderin werden soll?«
Aber daß er in uns Alles tötet, was Glück und Hoffnung ist, – also mehr als das bloße armselige Leben eines vom Tode schon Gezeichneten –, das gibst Du zu?!
Ich kann nicht anders: ich balle die Fäuste gegen Dich, Delphine!
Gaillards Bericht hat das Bild vollendet, das Du mir maltest. Ich sah den starken, fast rohen Mann nie so bewegt.
»Sie ist ganz blaß, ganz schmal,« sagte er; »sie irrt durch die hohen, dunklen Räume, vor denen sie sich graute, seit sie sie zum erstenmale betrat. Und unter den weißen Tüchern, in die sie sich hüllt, zittern ihre Schultern mitten im Sommer. Sie trägt den Kleinen jedem Sonnenstrahl nach, der hier oder dort durch die tiefen Fenster fällt. Seitdem die Bauern, von der Haltung des Marquis in der Notabelnversammlung unterrichtet, die Räumung des Lustschlosses im Park mit Vivatrufen begleiteten, und ein kleiner, schmutziger Dreikäsehoch nach ihrem Sohn mit einem Feldstein warf, als sie draußen mit ihm spielte, verläßt sie den engen Burghof nicht mehr.«
Bist Du wahnsinnig, Delphine, daß Du Dein eigen Kind dem Greise opfern willst?! Oder ist es etwas anderes als ein Opfer, wenn Du ihn in dieser Atmosphäre des Grauens atmen läßt?!