Meine Adresse ist im Augenblick die Ihnen bekannte. Ich unterschreibe nicht. Eine Verbindung mit mir könnte Ihnen einmal gefährlich werden.

Lucien Gaillard an Delphine.

Paris, den 19. August 1787.

Verehrte Frau Marquise! Der Prinz hat Paris verlassen. Nur auf kurze Zeit, wie er sagte, und um die Stimmung in der Provinz kennen zu lernen. Auch Lafayette und Mirabeau sind fort. Ich glaube, daß sie, seitdem das Parlament durch königliche Haftbriefe nach Troyes verwiesen ist, ähnlichem Schicksal aus dem Wege gehen wollen.

Wir leben in dauernder Erregung. Wir erzwangen uns den Eintritt ins Parlament während der stürmischen Verhandlungen. Ich wahrte mir, so sehr ich konnte, die Kühle meines Kopfes und sehe in der Verweigerung der Grund- und Stempelsteuern weniger ein Zeichen des allgemeinen demokratischen Geistes, der sich keinem Machtwort eines absoluten Monarchen mehr fügen will, als einen Beweis für den Egoismus der Stände. Wären sie Vaterlandsfreunde, wie sie zu sein behaupten, so würden sie im Augenblick höchster Gefahr, wo die Regierung an ihren Opfermut appelliert, nicht krampfhaft die Hand auf den Beutel halten.

Mir und meinen Gesinnungsgenossen kann diese Enthüllung der Motive ihres Handelns nur recht sein. Mit um so größerer Wucht werden wir im geeigneten Augenblick neben die von ihnen erhobene Forderung bürgerlicher Freiheit die der sozialen Gleichheit stellen.

In den politischen Klubs tönt sie laut genug. Und die Polizei hat sie längst gehört. Vor kurzem rief ein Leidenschaftlicher im Palais-Royal über die Köpfe der Flaneure hinweg: »Mit den Gedärmen des letzten Priesters erdrosseln wir den letzten König.« Man wollte ihn verhaften, ließ ihn aber laufen, als sich zur Beschämung des Polizeibeamten herausstellte, daß der Satz von Diderot stammt, dem am gleichen Tage in der Akademie eine tönende Gedächtnisrede gehalten worden war.

Die gewaltsame Registrierung der Steuern, – der König will seine Selbstherrlichkeit in einem Augenblick beweisen, wo sie nichts als eine Chimäre ist, – ruft noch ständig erregte Szenen hervor. Der Graf von Artois wurde gestern auf dem Wege zur Chambre des Comptes ausgepfiffen. Kein Steuererheber – davon bin ich überzeugt – wird gegen die Haltung des Parlaments den Mut haben, die Order des Königs auszuführen.

Verzeihen Sie, wenn die Leidenschaft mich weit über meinen Auftrag hinausgehen ließ!

Lucien Gaillard an Delphine.