Paris, am 26. September 1787.

Ich danke Ihnen, verehrte Frau Marquise, für Ihren Brief, und freue mich innig, Ihnen ein wenig helfen zu können, indem ich Ihr Interesse an den politischen Vorgängen wach erhalte.

Der Prinz ist zurück. Die Provinzialversammlungen, die jetzt überall tagen, sind, nach seinem Bericht, vom gleichen Geist erfüllt. »Ich habe«, sagte er, »einmal um den Tod Rousseaus, Voltaires, Diderots geklagt. Jetzt weiß ich, daß wir Tote nicht zu betrauern haben, deren Geist unsterblich ist!«

Der König glaubte die Parlamente übergehen zu können, er behandelte sie wie ungezogene Kinder; er lernte inzwischen, daß er Männer vor sich hat, und die Zurückziehung der bereits registrierten Steueredikte war ein Eingeständnis seiner Verlegenheit und seiner Schwäche, über die keine tönende Rede der Monarchisten mehr hinweghilft. Der Einzug Wilhelms von Oranien im Haag mit Hilfe preußischer Truppen, über den das ehrliebende Frankreich heute in helle Wut gerät, hat den Rest von Respekt vor dem Kriegsherrn und seinen Ratgebern zerstört. In Kriegshäfen, Schiffe und Armeereformen haben wir Millionen gesteckt, und besitzen nicht einmal so viel politische Macht, um uns vor dem Hohngelächter der Nachbarn zu schützen. Die preußischen und englischen Diplomaten, die hier zusammentreffen, haben leichtes Spiel.

Daß der Herr Marquis der Provinzialversammlung in Straßburg beiwohnen will, ist sehr erstaunlich. Darf ich vielleicht dem Prinzen mitteilen, daß Sie um jene Zeit allein sein werden?

Graf Guy Chevreuse an Delphine.

Versailles, den 22. November 1787.

Schönste Marquise. Bisher zögerte ich, Ihnen zu antworten, denn was blieb mir zu sagen übrig? Sollte ich klagen, weil Sie nicht kommen mögen? Sollte ich Hoffnungen aussprechen, die nichts als leere Worte gewesen wären? Oder sollte ich Ihnen zur Erheiterung im Tone der Pariser Parlamentsräte das »üppige Hofleben« schildern, den »Taumel des Vergnügens«, in dem wir leben; den »Goldregen«, der sich über uns ausgießt, »während das Volk im Elend verkommt?!«

Hier statt dessen ein Bild der Wirklichkeit: Nur von wenigen ihrer Getreuesten begleitet, durchstreifte die Königin die herbstöden Gärten von Trianon. Den Tod der neugeborenen Prinzessin hat sie um so weniger überwunden, als irgend ein altes Weib in ihrer Umgebung ihn als böses Omen deutete. Sie trug, wie wir alle, Trauerkleider; der kleine Dauphin klammerte sich, wie immer, an ihre Hand, sein schwarzes Röckchen ließ seine Blässe doppelt durchsichtig erscheinen. Unser Ziel war der Pachthof.

»Ich will mir einmal einen fröhlichen Tag bereiten«, hatte die Königin mit wehmütigem Lächeln gesagt und die Börse gefüllt für ihre Schützlinge in den kleinen Häusern.