Die Gespenster der Vergangenheit steigen vor mir auf. Gut, daß es ein Feld atemlos heißer Kämpfe gibt, in die ich mich stürzen kann.

Lucien Gaillard an Delphine.

Paris, den 11. Mai 1788.

Verehrte Frau Marquise. Was ich versprach, vergesse ich nicht. Wenn ich nicht schrieb, so darum, weil ich den Prinzen monatelang aus dem Gesicht verloren hatte und fürchten mußte, zudringlich zu erscheinen, wenn ich eine Nachricht von ihm nicht geben konnte.

Gestern erst sah ich ihn mitten im Tumult des Palais-Royal. Er schüttelte mir die Hand. »Es wird ernst,« sagte er mit einem Blick auf die gestikulierende, durcheinander schreiende Menschenmenge. »Der Todeskampf der absoluten Monarchie beginnt,« antwortete ich, und er nickte. Dann verlor er sich wieder im Gedränge.

Seit dem achten Mai, wo der König die Parlamente ihrer Macht entkleidete, wächst die Erregung. Parlamentsräte, Aristokraten und Priester fraternisieren auf der Straße mit Krämern, Arbeitern und Journalisten. Und dem verblendeten Volke erscheinen sie plötzlich wie lauter Freiheitshelden.

Die Sturmflut von Paris überschwemmt bereits die Provinz und wetteifert mit den Unwettern, die der Himmel sendet. Die berufenen Wächter des Thrones – der Priester und der Edelmann – erheben die zu seinem Schutze bestimmten Waffen gegen ihn, und zerstören damit im Volke den letzten Rest des Kindertraums von der unantastbaren Heiligkeit des Königs.

In der altersgrauen Burg des Absolutismus sucht er sich zu verschanzen, zu blind, um zu sehen, daß sie schon eine Ruine ist.

Graf Guibert an Delphine.