Es sieht fast aus, als sehnte ich mich nach der Bastille. Aber leider weiß ich: Sie sind sehr gut, oder nicht gut genug, um mich hineinzubringen. Ich denke es mir nämlich wundervoll, einmal nichts zu sehen, als Kerkerwände.
Herr von Beaumarchais an Delphine.
Paris, den 3. Februar 1776.
Verehrte Frau Marquise! Erst heute, bei Gelegenheit eines meiner kurzen Aufenthalte in Paris komme ich dazu, Ihnen für Ihren Empfang und – was mehr bedeutet – für die Art Ihres Empfangs meinen Dank auszusprechen. Sie sind die erste Frau unter den vielen geistreichen Frauen Frankreichs, die für meine umfassenden politischen Pläne Verständnis und Interesse gezeigt hat.
Selbst die Männer begegnen mir mit Mißtrauen. Weil man über meine Komödien lacht, hält man auch meinen Ernst für Witz; daß Staatsmänner Komödianten sind, wundert niemanden, aber daß Komödianten Staatsmänner sein können, erscheint abstrus. Nichts ist heute für einen Mann von Geist kompromittierender, als wenn er sich mit Politik beschäftigt. Und unsere Minister vor allem wollen sich nicht kompromittieren!
Herr von Vergennes war für die großen Aussichten blind, die der Konflikt zwischen England und Amerika Frankreich bietet. Ich öffnete ihm wenigstens ein Auge. Trotzdem bleibt er Philosoph aus Bequemlichkeit und beruft sich auf Grundsätze der Moral, weil das am wenigsten kostet. Heimlich gegen England zu konspirieren, das beleidigt seine Grundsätze. Wie kommt es nur, daß soviel Edelmut die Teilung Polens, die Kolonialkriege, den Sklavenhandel dulden konnte?!
Auch Turgot ist gegen alle Feindseligkeiten; er will nicht einsehen, daß es häufig sparsamer ist, Millionen zu verschwenden, als mit einem Sous zu geizen. Wenn Frankreich Partei ergreift, wird es die Scharte von 1762 wieder auswetzen und durch ein Bündnis mit Amerika alle die Vorteile genießen, durch die England sich seit einem Jahrhundert bereichert. Wir brauchen nichts als Schiffe, Munition, Waffen. Die Menschen sind da. In fieberhafter Ungeduld warten der Marquis Lafayette, der Prinz von Montbéliard und ihre Freunde darauf, den Namen Frankreichs wieder leuchten zu lassen, wie unter dem großen König, wo die Welt ihr ganzes Licht von ihm empfing.
Verzeihen Sie mir die Kühnheit meiner Sprache; gedenke ich der schönen Frau, an die sie gerichtet ist, so müßte ich mich schämen, wenn sie nicht so klug wäre, nicht nur durch Schönheit herrschen zu wollen! Ich wage zu hoffen, daß Ihr Enthusiasmus diesen Wunsch unterstützt; macht der Kuß der Muse mir das Komödieschreiben zur Spielerei, so würde ich meine schwere verantwortungsreiche Arbeit unter den Strahlen Ihrer Gunst auszuführen vermögen, als tanzte ich Menuett mit Ihnen.
Wollen Sie die Gnade haben, meinem Diener wissen zu lassen, wenn Sie mich empfangen wollen? Ich bleibe bis nächsten Mittwoch hier und stehe ganz zu Ihrer Verfügung.