Wissen Sie noch, wie ich Ihnen nach der Tafel in der üppigen Bibliothek des Prinzen Rohan, wo es mehr schwellende Sophas und tiefe Polsterstühle als Bücher gibt, die Provinzkomödie schilderte, die Straßburg aus der Tiefe meines Tintenfasses grinsend hatte auftauchen lassen. Ich zeichnete Ihnen gerade die Porträts ihrer Helden: des Kardinals Rohan als des Hauptes aller Gläubigen, wie er in der roten seidenen Soutane, von Spitzen überrieselt, die an Wert seine Diözese aufwiegen, an der weißen Hand einen Brillanten, den die ganze Krone Frankreichs nicht ersetzen könnte, morgens an dem mit Rubinen und Smaragden besetzten Missale die Messe zelebriert und sein »Apage Satanas« gegen alle Aufklärer schleudert; des Prinzen Rohan sodann als den maître de plaisir der besten Gesellschaft, wie er im goldgestickten Surtout mit gemalter Weste, an der jeder Knopf eine kostbare Perle ist, abends vor der beladenen Tafel kleinen Tänzerinnen mitleidig Durst und Hunger stillt und sein Evoë allen Puritanern entgegenjubelt.
Ich höre noch Ihr helles Lachen, – das ich schon ganz verstummt glaubte –, als ich Ihnen auseinandersetzte, daß die beiden Helden notwendig von einem Schauspieler gespielt werden müßten! Und ich sehe noch das Zucken um Ihre Mundwinkel, – war es unterdrückte Freude oder niedergezwungene Empörung?! –, als ich Ihnen verriet, daß meine Bekanntschaft mit diesem Kardinal und Prinzen mir das Rätsel, warum die Theologen sich neuerdings so sehr bemühen, die Göttlichkeit Christi weg zu disputieren, gelöst hat: welch ein Triumph wäre es für die Kirchenfürsten, die Autorität dessen, der die Armut predigte, so erschüttert zu sehen!
Im Augenblick dieser blasphemischen Äußerung hörten wir Türen schlagen, Stühle rücken, lautes Stimmengewirr, – wir traten neugierig in den großen Saal –, es war ein unvergeßlicher Anblick für den Physiognomiker: alle Gemütsbewegungen malten sich auf den Gesichtern, Zorn und Freude, Enttäuschung und Befriedigung, Haß und Liebe.
»Saratoga ist gefallen!«
Die jungen Offiziere ließen die Sporen klirren, das Gefolge des Kaisers von Österreich verbarg hinter blassen festgeschlossenen Lippen seine Wut und affichierte durch sein Schweigen seine monarchische Gesinnung, während französische Aristokraten, ihren Jubel schwer unterdrückend, mich umringten, um mir verständnisvoll die Hand zu schütteln.
Den Grafen von Falkenstein, – wie der Kaiser von Österreich sich zu nennen beliebt, um seines Menschseins ein wenig froh zu werden –, sahen wir in ernstem Gespräch mit dem Kardinal Rohan und dem Marquis Montjoie.
»Sie konspirieren gegen die Freiheit«, sagte ich. Da fühlte ich Ihre Hand auf meinem Arm, sah in ein glühendes Antlitz, in tränenfeuchte Augen und hörte eine süße Stimme flüstern: »Ich bin noch Ihre Aliierte!«
War diese Nacht Fortuna selbst, die ihres Füllhorns ganzen Reichtum über mich auszuschütten im Begriffe stand?! Ich zog Ihre Hand an meinen Mund, der sekundenlang auf der weißen duftenden Haut zu ruhen wagte –, ich sah auf, – noch zitternd wie vom plötzlichen Fieber, da traf mich Ihr Blick –
O, Frau Marquise, ich hatte wahrhaftig vergessen, daß ich Figaro bin – nichts als Figaro!
Wenigstens will ich mich jetzt dieser Rolle würdig erweisen.