La liberté gravée et les rois en horreur.«
Im Takt seiner eigenen Verse, die, ein unendliches Echo, von der Menschenmauer zu beiden Seiten der Straße widerklangen, fuhr Voltaire durch die Straßen. Erst die Ehrfurcht vor dem Schlaf des Erschöpften brachte sie vor seinem Hause zum Verstummen.
Daß uns unser gefährlicher Konkurrent, die Weltgeschichte, mit ihren großen Tragödien und kostbaren Lustspielen immer wieder als jämmerliche Stümper erscheinen läßt, sind wir nachgerade gewöhnt, daß sie uns aber auch mit der Aufführung der ergreifendsten Pantomime zuvorkam, ist beschämend. Herr Cochin, der Sekretär der Kunstakademie, der nicht aufhört zu verkünden, die Zukunft der Bühne gehöre der Pantomime, darf heute neben Voltaire den Triumphator spielen.
Nur in der Moral könnte die Weltgeschichte von uns Komödienschreibern lernen: wir entlassen unser Publikum im Augenblick der höchsten Gefühle: in seinem Schnupftuch trägt es seine Rührung, seine Erschütterung und Begeisterung nach Hause, wenn das Stück zu Ende ist.
Aber die Weltgeschichte! – hören Sie selbst:
Herr von Voltaire fühlte sich leidend –, sei es, daß er zu viel vom Champagner der Huldigungen getrunken hatte oder zu wenig, denn die Flasche aus den königlichen Kellern fehlte noch! – Man schickte ihm den Arzt, aber er verlangte nach – dem Priester. Der Abbé Gauthier kam in fliegender Eile; es galt einen fetten Bissen für die Kirche! In einem Schlafgemach, das mehr dem Tempel der Wollust als dem Heiligtum der Musen glich, – Herr von Villette, Voltaires Freund und Gastgeber, huldigt wie die Weisen Griechenlands dem Kultus jener Liebe, die unsere christliche Moral zwar verdammt, unsere antike Bildung aber großzüchtet –, nahm er die Beichte des Ketzers entgegen. Wäre der Kranke gleich danach gestorben, sein letztes Wort würde nicht, wie wir großen Dichter es auf der Bühne wirkungsvoll arrangiert haben würden, »écrasez l'infâme« gewesen sein, sondern: »ich sterbe in der heiligen katholischen Religion...«
Daß der König ihn trotz dieses reumütigen Bekenntnisses nicht empfing, als er wieder genesen war, hat Herrn von Voltaire sehr gekränkt!
Aber unsere große Pantomime hatte noch mehr Mitwirkende, denken Sie. Das Alter hinderte den Patriarchen, die Rolle des Helden bis zu Ende zu spielen, das Schwert wurde ihm zu schwer. Die, die ihm zujubelten, nahmen es auf.
Es scheint mir nachgerade, daß es törichter ist, den Glauben an die Menschen zu bewahren, als den an Gott und alle Heiligen. Denn trotz aller Beweise der Atheisten und der tausendneunundneunzig Paragraphen des Baron Holbach gibt es schlagendere gegen den Menschen-, als gegen den Gottesglauben.