»Heinz,« flüsterte ich zaghaft und griff nach seiner Hand, »warum sprichst du nicht mit mir? — Irgend etwas lastet auf dir —.«
Er lächelte mich an. »Gutes Kind, — beunruhige dich doch nicht! Du hast mit dir selbst genug zu tun und mit deiner Arbeit.«
»Du aber nimmst teil daran, — du hilfst mir, und ich sollte dir nicht helfen dürfen?! — Hängt es am Ende damit zusammen, daß du dem Archiv innerlich untreu geworden bist?« drängte ich.
»Woher weißt du das?« fuhr er auf.
»Ich habe doch Augen im Kopf, — ich sehe, wie oft du die Korrekturen ungeduldig zur Seite wirfst —«
»Du hast recht,« antwortete er, »ich hätte dich nur gern mit meinen Angelegenheiten verschont, so lange sie mir selbst so unklar sind. Als ich das Archiv ins Leben rief, war die Sozialpolitik ein unbebautes Ackerland. Jetzt, wo der Samen aufging, kann jeder Garben schneiden —«
»Ich verstehe,« unterbrach ich ihn lebhaft, »wir beide gehören zu denen, die Wege anlegen, aber nicht die Steine dafür karren können.«
»Wege anlegen —,« wiederholte er, »ganz richtig! Und dafür ist in der Partei jetzt die Zeit gekommen. Gräßlich, angesichts dieser Aufgabe die Hände gebunden zu haben! Dem Revisionismus fehlt es an einem geistigen Mittelpunkt, einem unabhängigen Organ, das an Stelle bloßer Verneinung die Ideen praktischer Politik in die Köpfe der Massen hämmert, das die geistigen Kräfte der Intellektuellen in den Dienst unserer Sache zieht. Die Lex Heinze hat sie aus dem Schlaf geweckt, — auch hier müßte das Eisen geschmiedet werden, solange es warm ist.«
»Und wieso sind dir dafür die Hände gebunden?!« rief ich aus, von den Gedanken, die er aussprach, gepackt. »Der Plan muß ausgeführt werden!«
»Bei all deiner Klugheit bist du doch ein ganz dummes Katzel!« sagte er. »Oder wächst dir ein Kornfeld auf der flachen Hand?! Kein bürgerlicher Verleger würde ihn verwirklichen helfen, ein Parteiverlag erst recht nicht ...«