Und nun, zum Abschied, nahm ich noch einmal den Kleinen mit mir.
»Zur Göttin der Griechen wollen wir,« sagte ich ihm, »die Odysseus und Achilles anbeteten.«
Die Leute drehten sich um, lächelnd, spottend, entrüstet, als sie mich mit dem Kind an der Hand durch die Säle gehen sahen, bis dahin, von wo der Venus von Milo weiße Gestalt uns entgegenleuchtete.
»Warum beten die Menschen nicht?« flüsterte mein Sohn, der die Mütze vom Köpfchen gezogen hatte.
In einsamer Herrlichkeit stand sie vor uns, im Bewußtsein ihrer Macht und Schöne, zeitlos, beziehungslos. Ihr Blick schweifte hinweg über die Menge, gleichgültig, ob sie ihr Opfer zündete oder die Linien ihres Körpers mit dem Zirkel maß. Sie herrschte, sie begeisterte und belebte, nicht weil sie vom Sockel stieg in den Dienst der Massen, sondern weil sie vollendet war in sich.
Droben in den Sälen hingen die Bilder aller derer, die die Menschen, denen sie dienten, gekreuzigt hatten: die Heiligen, die Madonnen, die Christuskinder. Sollte der Zweck des Daseins nicht doch der Olymp der Griechen und nicht der Himmel der Christen sein?
Ich strich mit der Hand über die Stirn. Es war etwas wach geworden in mir, das schlafen mußte.
Ein weiches Händchen nestelte sich in das meine: »Warum hat die Göttin keine Arme, Mamachen?«
»Zur Strafe, weil sie die Menschen nicht festhielt, die ihrem Tempel entliefen.«