Ein stilles Lächeln glitt über ihre Züge.

»Nein, niemand schrieb mir, — aber ich sah, daß der Tod neben dir stand. Ihr mögt noch so sehr zerren wie an einer Kette, das Band zwischen Mutter und Kind ist stärker als Ihr.«

Am nächsten Tage reiste sie ab. Sie hatte den alten schwarzen Mantel an, den ich seit Jahren an ihr kannte, und auf ihrem dunkelgrauen Hut saß ein kleiner grünschillernder Käfer, — ich weiß noch alles ganz genau. An der Tür zögerte sie und sah mich an, — mit einem langen, langen Blick. Ich wollte mich aufrichten und sie noch einmal umarmen. Aber ich war viel zu schwach dazu.

Acht Tage später war sie tot.

Dreizehntes Kapitel

»Genosse Weber aus Frankfurt a. O. — meine Frau.« Ich war gerade zur Türe eingetreten, als Heinrich mir seinen Gast vorstellte, einen kleinen lebhaften Menschen mit blanken, braunen Augen und kahlem Schädel. Verwundert sah ich von einem zum anderen: sie waren beide heiß und rot vor Erregung.

»Helfen Sie mir, Genossin Brandt,« sagte der Fremde und trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte. Komisch, was für einen breiten, nach außen gebogenen Daumen er hat, wie bei der Spinnerin im Märchen, dachte ich zerstreut, während meine Augen gewohnheitsmäßig an seinen Händen hängen blieben.

»Weber bietet mir die Kandidatur seines Wahlkreises an,« erklärte Heinrich. Nun erst horchte ich auf.

»Und er zögert, sie anzunehmen. Bringt lauter Wenn und Aber vor. Und will Bedenkzeit. Als ob es jetzt noch was zu bedenken gäbe! Jeder von uns muß ins Geschirr, — so oder so,« rief unser Gast, und seine Worte überstürzten sich vor Eifer. »Machen Sie kurzen Prozeß, — schlagen Sie ein!«

»Schade, daß Sie mich nicht brauchen können, — ich täte es besinnungslos,« antwortete ich und legte meine Hand in die seine, die er noch vergeblich meinem Mann entgegenstreckte. Weber hielt sie fest.