»Ein Weib — ein Wort,« lachte er. »Sie sollen sehen, wie wir Sie brauchen können, — zuerst müssen Sie uns den Kandidaten und dann den Wahlkreis erobern helfen!«

Aber mein Mann blieb fest, trotz allen Zuredens.

»In vierundzwanzig Stunden werden Sie meine Antwort haben...« sagte er.

Als Weber gegangen war, schalt er mich: »Du bist unüberlegt wie ein Kind! Glaubst du, daß das Archiv nicht sehr geschädigt wird, wenn ich für die Partei kandidiere, oder gar als Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion in den Reichstag komme?!«

Ich machte eine wegwerfende Bewegung: »Ach, — das Archiv und immer das Archiv! Lindner wird sich über kurz oder lang entscheiden müssen, und wenn du erst eine ausgesprochen sozialistische Zeitschrift leitest, so wird das auf das Archiv nicht anders wirken, als wenn du Abgeordneter bist...«

Einen Augenblick lang schwieg ich und sah ihn erwartungsvoll an, aber er blieb am Schreibtisch sitzen mit gesenkten Augen und zusammengekniffenen Lippen, während seine Hand unruhig mit dem Bleistift spielte.

»Heinz —,« fuhr ich mit weicherer Stimme fort, »Heinz, das bist nicht du, den ich unschlüssig vor mir sehe! Alle Wetterzeichen deuten auf einen großen Kampf, und du könntest abseits bleiben, wenn man dich zu den Waffen ruft?! Du, den ich liebe um seiner Kühnheit willen, der all die tausend jämmerlichen Rücksichten des Alltagsmenschen nicht kennt —«

»Ich sage dir, wie schon einmal, daß ich an euch zu denken habe, an dich und das Kind,« unterbrach er mich, aber seine Stimme hatte keinen Ton dabei.

»Hat Romberg, der den Freien spielt und im Grunde nichts ist als ein Philister, so viel Macht über dich?!« antwortete ich heftig. »Soll auch für uns die Familie der Götze sein, dessen Unersättlichkeit wir das Beste opfern: unsere Freiheit, unsere Überzeugung, unser Menschentum?! Sie wäre wert, daß wir sie zerstörten, wie unsere Gegner es von uns behaupten, wenn dem so wäre!«

Heinrich erhob sich und reichte mir die Hand. Seine Augen glänzten wieder. »Du bist mein tapferer Kamerad,« sagte er, — nichts weiter. Und ich stellte keine Frage mehr an ihn.