In diesem Augenblick stieg Herr von Kardorff, der greise Führer der Rechten, mit jugendlicher Elastizität die Stufen zur Estrade empor. Ein weißes Papier zitterte in seinen Händen. Die Stimme, mit der er scharf und hell seine Worte in den Saal hinausstieß, vibrierte:

»In wenigen Minuten wird dem Hause ein Antrag vorliegen, der dahin geht, in Paragraph 1 der Gesetzesvorlage die Enbloc-Annahme des Zolltarifs auszusprechen ...«

Ein Hohngelächter übertönte jedes weitere Wort. Die Linke sprang auf und umdrängte die Estrade.

»Eine Guillotinierung!« klang es aus dem schwarzen Menschenknäuel.

»Sie haben uns selbst auf diesen Weg gedrängt ..., « rief Kardorff. Er ballte die Faust um das weiße Papier, reckte die überschlanke Gestalt hoch auf und maß mit einem hochmütigen Blick die Gegner unter ihm.

Man wartete auf die Verteilung des Antrages. Eine lange, atemlose Pause. Endlich traten die Diener ein. Man riß ihnen die bedruckten Blätter aus der Hand. Dicht unter der Rednertribüne, auf der Kardorff noch immer aushielt — gerade, starr, scheinbar gleichgültig —, warf einer der Sozialdemokraten in fanatischem Zorn das zusammengeballte Blatt zu Boden. Um den heftig gestikulierenden Bebel sammelte sich die Linke.

»Zur Geschäftsordnung!« rief Singers tiefe Stimme immer wieder dem Präsidenten zu.

Und dann sprach er. Aber durch den frenetischen Beifall der Linken und die empörten Zwischenrufe der Rechten und des Zentrums klangen nur abgerissene Sätze zu den Tribünen empor.

»... Dieser Antrag ist der Ausfluß des persönlichen Interesses, welches die Herren Gesetzgeber an der Zolltarifvorlage haben ... Sie fördern den Umsturz, Sie propagieren die Revolution, indem Sie die Interessen des Volkes mit Füßen treten... Neunhundert Positionen, von denen jede einzelne die wirtschaftliche Existenz Tausender bedroht, wollen Sie in einer Abstimmung zur Entscheidung bringen ... Sie fürchten sich, die Beute könnte Ihnen entgehen ... Sie sind die Schleppenträger der Agrarier und die Regierung ist ...«

»Ihr Zuhälter!« kreischte eine Stimme dazwischen.