»So bleib doch, Liebste,« flüsterte Heinrich traumbefangen. Aber schon war ich im Nebenzimmer am Bett meines Kindes. Seine Wangen glühten, verständnislos irrten seine Augen an mir vorbei. Und wieder löste sich ein Schmerzensruf von seinen trockenen Lippen. Ich wickelte den zuckenden Körper in nasse Tücher und schickte die Berta zum Arzt. Jetzt erst erwachte mein Mann und erschien an der Türe.
»Papachen,« sagte der Kleine und verzog den Mund mühsam zu einem Lächeln.
»Was ist denn nur?!« rief Heinrich mit gerunzelter Stirn und ungeduldiger Stimme; »komm doch ins Bett, — du erkältest dich ja!«
Ich lief ins Schlafzimmer zurück, um mir einen Mantel zu holen.
»Du siehst doch, — Ottochen ist krank,« flüsterte ich ihm im Vorübergehen zu.
»Krank!« wiederholte er laut und trat näher. »Nicht wahr, mein Junge, dir fehlt nichts, — du träumtest nur schlecht, — du siehst ja rund und rosig aus, wie's liebe Leben!«
Mit einem ängstlich fragenden Blick sah der Kleine von einem zum anderen.
»Gewiß, Papa, gewiß,« sagte er dann mit stockender Stimme, »jetzt ist schon alles wieder gut.« Aber seine tränenumflorten Augen, die flehend zu mir aufsahen, sein heißes Händchen, das krampfhaft meine Finger umschloß, strafte seine Worte Lügen. Ich drängte Heinrich hinaus. Wo nur die Berta blieb? Warum der Arzt nicht kam? — Im Wohnzimmer schlug die Uhr sieben.
»Es ist die höchste Zeit, daß du dich anziehst, Alix,« rief Heinrich. Wir hatten uns mit unseren Freunden für den Achtuhrzug verabredet. Ich wechselte rasch die Kompresse auf der brennenden Stirn meines Kindes und ging ins Schlafzimmer.
»Selbstverständlich bleibe ich hier,« sagte ich, die Stimme dämpfend.