Ich kehrte nach Hause zurück, nachdem mein Vater abgereist war.

Mit ihrem kühlsten Gesichtsausdruck empfing mich die Mutter. »Deiner Heirat steht nichts mehr im Wege,« sagte sie, »außer einer Kleinigkeit, die du natürlich vergessen hast: der Ausstattung. Wir sind, wie du weißt, nicht in der Lage, sie dir zu beschaffen, du wirst dich also mit der kleinen Summe aus der Kleveschen Familienstiftung begnügen müssen. Und was die Wohnung betrifft, so — —«

Ich mußte wider Willen lachen: »Das sind aber doch wirklich nichts als Kleinigkeiten, Mama!« unterbrach ich sie. »Wir haben, was wir brauchen, — und Georgs Wohnung ist viel zu hübsch, als daß ich sie aufgeben möchte!«

»Eine Hofwohnung — und nur drei Zimmer!« Mama kräuselte verächtlich die Lippen.

»Übergenug für uns! — du siehst: wenn das Aufgebot morgen erfolgt, können wir in vierzehn Tagen getraut werden — —«

»Selbstverständlich! — Ich werde heute noch mit Euren Papieren auf das Standesamt und womöglich auch gleich zum Geistlichen gehen.«

»Zum — Geistlichen?!« Ich starrte sie verständnislos an. Wir »dezidierten Nichtchristen« sollten uns geistlich trauen lassen?!

»Georg ist Atheist —«

»Schlimm genug!« rief die Mutter, »aber du heiratest unter dem Schutz deiner gläubigen Eltern und wirst es nach unserem Glauben tun — oder gar nicht.«

All meine Erklärungen und Bitten prallten an ihrem unbeugsamen Willen ab. Ich sah aufs neue die schwer erkämpfte Zukunft gefährdet. Aber als ich Georg mit vor Aufregung zitternder Stimme von der mütterlichen Entscheidung erzählte, zog nur ein leichter Schatten über seine Züge.