»Und du?«

»Ich wünsche ihm ein langes Leben, eine tüchtige Frau und ein Dutzend Jungens! Zum Regieren hab ich kein Talent, und zum Heiraten am allerwenigsten. Das weiß ich eigentlich erst seit gestern. In der Stickluft Berlins, angesichts des versammelten Familienrats war ich ganz klein. Aber wie ich gestern von dir ging, bin ich noch bis in die Nacht hinein in den Bergen herumgeklettert und habe mir einen ordentlichen Gletscherwind um die Nase pfeifen lassen. Heute weiß ich: es geht nicht — mögen sie mich meinetwegen zu den Insterkosaken versetzen, ich kann die Ebenbürtige nicht heiraten.«

Er wandte mir den Rücken und sah in den Regen hinaus.

»Ich kann nicht« — wiederholte er leise, »ich muß Eine haben, die ich liebe —«

Es war ganz still zwischen uns. Nur die Uhr tickte laut und heftig.

»Ich möchte hier bleiben, Alix,« sagte er nach einer Weile mit ruhigem Ernst. »Ich brauche die Einsamkeit und — dich. Du mußt mir helfen überlegen, was aus mir werden soll!«

»So bleibe, Hellmut,« antwortete ich rasch, aber im selben Augenblick fiel mir die Kathrin ein, und die Tante, und das Gerede der Leute; und schon kam sie selbst, meine getreue Wächterin, und sagte, nachdem sie das Geschirr möglichst langsam abgeräumt hatte:

»Soll der Christoph für Durchlaucht einen Wagen bestellen? Er geht gerad ins Dorf hinunter.«

Hellmut stieg das Blut in den Kopf. Er verstand. »Nein,« sagte er, »ich gehe zu Fuß. Es ist nicht nötig, daß noch mehr Leute von meinem Hiersein wissen.« Die Kathrin sah ihn zweifelnd an. »Fürchten Sie nichts für Ihr gnädiges Fräulein, Kathrin,« fuhr er fort, »ich bin ihr bester Freund und werde nicht dulden, daß ihr auch nur ein Härchen gekrümmt wird.« Als sie sich daraufhin stumm entfernt hatte, wandte er sich zu mir:

»O über die verdammten Rücksichten auf die Gemeinheit der anderen! Ists nicht das natürlichste von der Welt, daß wir hier zusammen sitzen? Und nun —! Ich kann nicht wiederkommen, — deinetwegen nicht!«