Mit Erstaunen sahen ihre Mutter und Schwestern ihre Beweglichkeit, mit noch größerem ihre Heiterkeit, ihren Humor, die Lebhaftigkeit, mit der sie sich für jedes Gesprächsthema interessierte, und dies mußte wohl ein freundliches Licht auf Marthas Pflege und Erziehung werfen.

„Und nun“, sagte Frau von Märzfeld, „will ich euch auch eine große Neuigkeit mitteilen: Wir haben eine Braut hier im Zimmer; ratet: wer?“

Fannys Augen hatten schon mit Staunen den Goldreif an Luciens Hand gesehen; sie rief: „Lucie, Lucie! aber mit wem?“

Sie war mit Graf T. verlobt; er war mit ihnen am Genfer See zusammengetroffen, hatte dort nach einigen Tagen um Lucie angehalten, und diese freudig und überrascht aus warmem Herzen „Ja“ gesagt.

Martha war auch überrascht; sie hatte Graf T. oft in der Familie gesehen. Er hatte ihr stets einen ernsten und Vertrauen erweckenden Eindruck gemacht, er teilte aber seine Aufmerksamkeiten stets gleichmäßig zwischen beiden Schwestern, und man glaubte in M. allgemein, er werde sich mit Judith verloben, welche die ältere und bedeutendere von beiden war. Martha begriff es, daß er sich dies warme und anmutige Wesen gewählt hatte, das jetzt eine strahlend glückliche Braut zu sein schien.

Judith sah sehr ernst aus und war fast unnahbarer als sonst. Die Mama erzählte, der Bräutigam sei jetzt nach Ragatz gereist, um eine Wohnung dort zu besorgen.

„Aber Mama!“ rief Fanny sehr unglücklich, „ich will ja nach Pfäffers!“

Friedericke stand dabei: „Ach ja, bitte, nach Pfäffers, da gehen wir auch hin, und da wohnen wir ganz und gar bei den Erdgeisterchen, die machen dann Fanny wieder gesund!“

Frau v. Märzfeld lachte: „Fragen wir den Arzt!“

Der meinte, Ragatz thäte vielleicht dieselbe Wirkung; aber es gäbe viele Kranke, welche die Bäder so nahe an der Quelle für heilkräftiger hielten. Die Einrichtungen wären in Pfäffers sehr gut, und er riete der Frau v. Märzfeld, ihre kleine Patientin dort anfangen zu lassen; sollte es sich zeigen, daß Luft und Sonne ihr zu sehr fehlten, könne sie ja jeden Tag nach Ragatz übersiedeln.