„Und wo kommst du heute her, Siegfried?“

„Aus einem kleinen Orte, den du wohl kaum kennst, aus Weißfeld. Der Amtmann dort hat sich in Schlesien ein größeres Gut gekauft und will Weißfeld verkaufen; ich habe Lust, den Kauf abzuschließen; es gefiel mir dort gar manches.“

„Was gefiel dir, Siegfried?“ fragte Martha mit strahlenden Augen.

„Ach, es führte mich eine alte, krumme Frau herum; das war ein prächtiges altes Geschöpf; ich dachte mir’s so schön, die bis zum Tode zu pflegen. Und dann, Martha — ach, es ist fast ein bißchen sonderbar — aber du wirst es verstehen; es war da ein kleiner eiserner Tisch und eine Bibel darauf, und die Alte sagte, es rühre von einer früheren Besitzerin her, die habe gewünscht, daß es so bleiben möchte, das brächte dem Gute Segen. Das gefiel mir auch!“

Er wunderte sich, als er ihr Gesicht von Thränen überströmt sah.

„O Urgroßmutter! Urgroßmutter!“ rief sie aus.

Da war denn Siegfried voll Erstaunen, als er den Zusammenhang erfuhr.

„Ja“, sagte Martha, „‚denen, die mich lieben und meine Gebote halten, thue ich wohl bis ins tausendste Glied!‘ Das ist gewißlich wahr! O Siegfried! Siegfried! Es ist ein Zusammenhang da zwischen dem Betschemel der Urgroßmutter und dem Glück ihrer Urenkelin!“

Siegfried war auch bewegt.

„Das ist ein schöner Gedanke, aber auch ein ernster und verantwortungsvoller“, sagte er, „wenn man sich als ein Glied in einer so großen Kette betrachtet, beeinflußt von der Vergangenheit und weiter wirkend in die Zukunft hinein.“