Martha wunderte sich, daß er in Weißfeld nichts von ihr gehört habe; aber sein Aufenthalt war nur kurz gewesen — „und“, sagte Martha, „die Urgroßmutter hat uns gewiß selbst wieder zusammenführen wollen durch ihr Weihnachtslied.“
„Wie wird sich Suschen, mein liebes Suschen freuen, wenn ich dort einziehe! Aber eine Bitte habe ich noch, Siegfried, eine recht große. Nicht wahr, wir haben ein Stübchen übrig für meine alte, liebe Freundin Klug?“
Und als der glückliche Bräutigam vernommen, was diese seiner Braut gewesen war, da stimmte er mit Freuden zu; sie sollte sogleich zum Abendbrot gerufen werden und ihr Glück vernehmen.
„Aber erst will ich alles festlich herrichten!“ sagte Martha.
Sie steckte neue Lichter an das Weihnachtsbäumchen, sie deckte den Tisch mit einem reinen, weißen Tuch und besetzte ihn mit Judiths guten Gaben, denen „mein Georg“ einige Flaschen Rotwein beigefügt. Dann stand das Brautpaar vor der alten Freundin, die sehr überrascht und bewegt, aber voll Liebe und treuer Wünsche war.
„Und nun müssen Sie mit uns essen“, drängte Martha, „ich muß ja doch eine Brautmutter haben!“
Und an der fröhlichen Abendtafel da trug man ihr die schönen Zukunftspläne vor. Es war ihr zuerst zu neu und wunderbar, dann faltete sie ihre Hände wie zu einem stillen Gebete: „Ja, Kinder, wenn mir nicht der liebe Gott ein anderes Altenstübchen anweist, so gehe ich mit; ich will euch, so er hilft, nicht zur Last sein!“
„Was werden meine Kinder, meine lieben Kinder sagen?“ ging wehmütig durch Marthas Seele; aber sie tröstete sich: „Bis Ostern bin ich noch bei ihnen, und Agnes, Helene und Eva müssen jedenfalls meine Brautjungfern sein!“
Das Abendbrot war verzehrt, die Uhr zeigte auf zehn.
„Und nun, Martha“, sagte Siegfried, „bevor ich gehe —“