Sie kamen nachhause; der Weihnachtsbaum beleuchtete reiche, köstliche Gaben, vier strahlende Augen und zwei glückselige Herzen. Morgen, morgen sollte es offenbar werden, was heute geknüpft war! Kein Zweifel trübte ihre Freude; wußten sie sich doch beide gleich geliebt von dem Elternpaar. So schön, so schön war es bisher gewesen, nun sollte es noch viel, viel schöner sein. Kam denn in dieser Nacht kein dunkler Traum, um die beiden, die bisher im Maiensonnenschein gewandelt waren, vorzubereiten auf das erste schwere Gewitter?
3.
Sturm.
Der Kommerzienrat Feldwart saß in seinem Lehnstuhl, als Siegfried gegen Mittag bei ihm eintrat; zum erstenmal fiel diesem die bleiche, tonlose Farbe und die Schlaffheit der Züge seines väterlichen Freundes auf. Müde öffnete derselbe die halb geschlossenen Augen, aber als er Siegfried erkannte, flog ein freundliches Lächeln über das welke Gesicht: „Tritt näher, lieber Siegfried, du störst mich nicht!“
Siegfried trat näher, er nahm auch auf einen Augenblick den ihm gebotenen Stuhl; aber als er von seiner Liebe zu Martha anfing zu sprechen, da stand er vor dem Vater, eine schöne, kräftige jugendliche Gestalt, die wohl geeignet schien, ein zartes Mädchen zu stützen.
Herr Feldwart mochte Ähnliches denken; er sah ihn mit wehmütigem Wohlgefallen an, als sein warmes Herz die Worte rasch und fließend über die Lippen trieb, aber er unterbrach ihn bald mit demselben Schreckensruf, wie gestern die Tochter: „Aber Siegfried: Amerika!“
„Herr Feldwart“, sagte dieser, „ich denke, wenn Sie mir nur ein wenig mit Rat und That beistehen wollen, so wird es ohne den Oheim in Missouri gehen!“
„Kindskopf!“ rief der alte Herr ungeduldig, schob seinen Stuhl zurück, ging einigemal mit großen Schritten heftig durchs Zimmer und blieb dann vor Siegfried stehen, „Kindskopf! willst du deine ganze Zukunft einem Mädchen opfern, das noch ein Kind ist und noch gar nicht weiß, was es thun oder lassen soll? Da wird nichts daraus, mein Lieber!“
„Ich denke, Martha weiß, daß sie mich lieb hat, das ist mir genug. O bitte, hören Sie mich an, Herr Feldwart; der Oheim in Missouri schrieb seit meines Vaters Tode nicht wieder; er wollte mich damals bestimmen, sogleich zu ihm zu kommen; ich schlug ihm das ab, vielleicht mit etwas kurzen Worten. Er wird sich indessen andere Hilfe gesucht haben, und es widersteht mir, hinüber zu gehen und mich ihm anzubieten, gewissermaßen in der Absicht, ihn zu beerben; ich kann dies erwarten und möchte mir weit lieber hier durch meine eigene Thätigkeit eine Existenz gründen.“
„Sehr großartig“, sagte der Kommerzienrat ein wenig ironisch, „und wie, wenn ich fragen darf?“
Da kam denn wieder Rosenhof zutage.