„Verstehen Sie mich nicht falsch; ich möchte keinerlei Ansprüche an Ihre Hilfe machen; aber Martha und ich lieben uns sehr. Wenn Sie mir mit einem kleinen Vorschuß und Ihrem Kredit helfen wollten, könnte ich das Gut übernehmen. Martha und ich würden sehr fleißig und sparsam sein und es nach und nach abtragen; Sie wissen, ich bin kein schlechter, leichtsinniger Wirt, und ich habe das Meinige gelernt, und Martha will mir gerne dabei helfen.“

„Ist auch ganz dafür erzogen, versteht recht viel von der Wirtschaft“, fuhr der Vater auf.

Er hatte während Siegfrieds Worten das Zimmer ruhelos durchmessen; dennoch war dem Jüngling der Wechsel der Farbe auf seinem Gesichte, der Ausdruck von Kampf und Qual in seinen Zügen nicht entgangen. Jetzt standen sie sich gegenüber.

Herr Feldwart war totenbleich aber ernst und gefaßt: „Ich kann Ihnen nicht helfen, Siegfried! und ich werde es nicht thun, auch nicht mit einem einzigen Pfennig; das Beste ist, ihr seht euch gar nicht wieder!“

„Das ist nicht Ihr Ernst, das können Sie nicht wollen?“

„Siegfried, du weißt, was ich deinem Vater versprochen habe; du weißt, wie ich dich lieb gehabt habe diese ganze Zeit; Gott weiß, daß es mir schwer wird! ich kann es dir auch nicht erklären, später wirst du es einmal verstehen: Siegfried, dies ist mein letztes Wort! Ich werde niemals, niemals meine Erlaubnis zu deiner Verheiratung mit Martha geben; ich werde dir keinen Heller vorstrecken zur Übernahme von Rosenhof; wenn du mich nicht töten oder um meinen Verstand bringen willst (der Arme sah aus, als sei dies sehr leicht möglich), so verlasse jetzt das Haus, sieh Martha nicht wieder, lege das Weltmeer zwischen dich und sie, da wirst du ruhiger werden.“

„Und Martha?“ fragte Siegfried tonlos.

„Martha“, sprach der Kommerzienrat, und es klang wie Schluchzen in seiner Stimme, „Martha ist jung, es geht nicht anders, Siegfried!“

Siegfried liebte, aber Siegfried war auch stolz; er wandte sich und ging zur Thüre, und der Vater, hingesunken in den Lehnstuhl, bleich und zitternd, hörte ihn die Treppe hinunterstürmen und das Haus verlassen.

Martha saß indessen mit heißen Wangen neben der Mutter, der sie ihr süßes Geheimnis anvertraut hatte; sie lauschten beide auf des Vaters Ruf; auch die Mutter zweifelte nicht an der glücklichsten Lösung; jetzt kamen eilige Schritte über den Korridor; Martha flog auf, wie sie glaubte dem Geliebten entgegen. Er stürmte vorüber. Sie hörten die Hausthüre sich öffnen und schließen, sie sahen ihn fortstürmen, ohne sich umzusehn: „Ach Mutter, liebe Mutter, was ist das?“