„Wie viel denn, Fräulein?“

„Ach, Sie werden ja sehen, ein Stück, das für uns paßt.“

Thekla erinnerte noch an einige dringende Bedürfnisse; es wurde eine lange, lange Liste, und als das Mädchen fort war, fühlte Martha erschrocken, wie leer ihr Beutelchen geworden war.

„Mama“, begann sie nach einer Weile schüchtern, „müßten wir nicht doch einmal berechnen, wie viel wir eigentlich jede Woche ausgeben dürfen?“

Frau Feldwart hielt sich den Kopf: „Ich kann gar nichts; rechne du!“

Sie hatte ihrem großen Haushalte in ihrer Weise pünktlich und ordentlich vorgestanden, aber sie hatte stets über sehr große Summen zu verfügen gehabt; sie konnte es sich gar nicht denken, wie es möglich zu machen sei, mit so wenigem auszukommen; dazu war das Unglück so unerwartet über sie hereingebrochen; ihre Leibes- und Seelenkräfte waren wie gelähmt.

„Hier im Buche steht alles“, sagte sie.

Martha nahm das Buch und rechnete, rechnete, bis ihr der Kopf heiß war, aber ach, sie kam zu keinem Resultat. Wenn sie nur hätte teilen dürfen in 12 Monate oder 52 Wochen; aber da war so vieles, das kam nur einmal im Jahre.

Die Miete, ja, das stand hier: 300 Mark; Kohlen hatte Johann gekauft: 20 Ctr. Kohlen 17 Mark, 1 Meter Holz 7 Mk. 50 Pf.; aber was konnte ihr das helfen? Hatte sie denn eine Ahnung, wie lange diese Portion reichen würde? Dies arme Kind fühlte tief ihre Unzulänglichkeit. Ach, es war gewiß noch vieles auszugeben, an das sie jetzt gar nicht dachte; also mit dem Einteilen ging es heute noch nicht! Sie versuchte es auf eine andere Weise; sie überlegte: „Wie kann ich sparen? Natürlich, Gesellschaften geben wir jetzt nicht; Schmuck, Bilder, Noten, Bücher dürfen wir nicht anschaffen; aber sonst haben wir zuhause doch einfach gelebt: es gab nach der Suppe nur zwei Gerichte und ein Dessert. Ein Gericht werden wir wohl streichen müssen, vielleicht auch das Dessert; aber ihren Tischwein muß Mama natürlich behalten; wenn ich nur eine Ahnung hätte, was die einzelnen Sachen kosten! Wenn mir doch nur Mama etwas helfen wollte; ach, es ist so schwer, so schwer! Mein Siegfried, mein armer, lieber Papa, ich habe nicht einmal so viel Ruhe, an euch zu denken!“

Sie hatte ja den besten und treuesten Willen, ihre Schuldigkeit zu thun und trotz ihrer doppelten Trauer einen reichen Springquell jugendlicher Frische und Thatkraft in ihrem Herzen. Aber wie sehr wurde derselbe auch in Anspruch genommen! Thekla zeigte wohl am ersten Morgen, daß ihr die Hausarbeit nicht völlig fremd war, auch brannte nach langen, vergeblichen Bemühungen endlich das Feuer in Stube und Küche. Aber nun sollte gekocht werden! Ach, da wurde es klar, daß weder Fräulein noch Mädchen auch nur den entferntesten Begriff von dieser Kunst hatten.