„Aber Thekla, Sie sagten doch, Sie könnten kochen, sieden und braten!“
„Nun ja, Fräulein, für uns zuhause; da kommt alles zusammen in einen Topf, der wird morgens in die heiße Asche gesetzt, da kocht sich’s ganz alleine. Aber hier, da ist noch nicht einmal ein Aschenloch, nur ein Ofen, da verstehe ich nichts von!“
Da war guter Rat teuer. Wenn nur Martha irgendjemanden hätte fragen können! Halt! eine Freundin ihrer Mutter hatte ihr einmal das Kochbuch von Henriette Davidis geschenkt; das fand sie endlich nach langem Suchen und studierte darin Bouillonsuppe und Lendenbraten. Aber es ist mit der Kochkunst eine eigene Sache; wo alle Erfahrung und Anschauung fehlt, gerät es auch nach dem besten Buche nur mangelhaft, und wer all’ die kleinen, nötigen Handgriffe nicht übte, dem geht die Arbeit sehr langsam von statten. Das Feuer meldete sich verdrießlich, weil eine Hand darüber kam, die es noch niemals geschürt hatte; der Ofen rauchte, weil eine Klappe geschlossen war, die geöffnet sein wollte; und als nach langen, schweren Mühen nichts weniger als pünktlich das Mittagsbrot auf den Tisch kam, schmeckte es jedenfalls ganz anders als in B., und Frau Feldwart, die ohnehin wenig Appetit hatte, legte verdrießlich ihren Löffel hin und schaute mit entsetzten Blicken auf die große Menge Suppe und den noch größeren Braten, welche eine sehr unliebsame Wiederholung auf morgen versprachen.
„Wir haben heute wirklich zu viel gekocht“, dachte Martha. Sie wollte ja gern den Kopf oben behalten und sah es als ihre Aufgabe an, der Mutter eine Stütze zu sein; hätte ihr ein erfahrenes und treues Mädchen zur Seite gestanden, so würde sie vielleicht die Schwierigkeiten überwunden haben. Aber ach! von ihrer Hauswirtin aufmerksam gemacht, mußte sie bald entdecken, daß Thekla kein redliches Mädchen war, und als einmal in der Nacht Frau Feldwart nach Kaffee verlangte und Thekla geweckt werden sollte, um Feuer zu machen, zeigte es sich, daß sie zum Tanze gegangen war und das Haus offen gelassen hatte. Hiervon mußte Frau Feldwart erfahren.
„Sie darf nicht bei uns bleiben“, sagte sie, „schon um des Hauswirts willen dürfen wir sie nicht behalten.“
Martha sah dies ein; sie fühlte, daß sie nicht die Erfahrung besaß, welche dazu gehört hätte, das Mädchen auf besseren Weg zu bringen, und so ging am anderen Morgen Thekla, und Martha sah ihr halb mitleidig, halb schmerzlich bewegt nach mit dem demütigenden Gedanken: „Ich konnte ihr gar nichts sein; ach, ich taste ja auch noch im Dunkeln umher, und Gott mag geben, daß ich meinen Weg finde. Es ist eigentlich gut, wir können ohne sie sparsamer sein!“
Es zeigte sich bald, wie nötig das war; Martha hatte gar nicht gedacht, daß zum Leben so viel Bedürfnisse gehörten; das Geld verschwand unter ihren Händen. Sie wollte sich bei der Mutter Rat und Anweisung holen, aber die war innerlich wie gebrochen und schüttelte nur den Kopf: „Thu, was du willst!“ Ach, da kamen für die Tochter auch recht mutlose, dunkle Stunden. Nein, arm und reich sein galt ihr gar nicht gleich! In der Phantasie war das recht schön, in der Wirklichkeit um so bitterer.
5.
Suschen von drüben.
Sie mußte sich nun ermannen und die Arbeit allein angreifen. Herr Reinhold, ihr Wirt, hatte ihr versprochen, Erkundigungen nach einem Mädchen oder einer Aufwärterin einzuziehen, aber sie auch darauf vorbereitet, daß es einige Tage dauern könne, bevor sich Hilfe fände.
„Es schadet auch nichts, Fräulein! Der Laufbursche holt Ihnen Kohlen und Wasser und kann auch in der Stadt was mit besorgen.“