„Ach Mama, hier unser vis à vis; sie hatte gesehen, daß ich nicht Tauben rupfen konnte, da kam sie und zeigte es mir; sie will mir auch kochen helfen.“

Frau Feldwart schüttelte den Kopf. Die schnelle Freundschaft war ihr sehr verwunderlich; aber sie hatte Martha zum erstenmale wieder lachen hören, und ihr Mutterherz lebte noch, wenn es auch jetzt im Banne der Traurigkeit lag.

„Woher hast du die Tauben?“

„Trude hat sie gebracht von ihrer Tochter, die hat einen Taubenschlag.“

Suschen kam jetzt wieder und Frau Feldwart zog sich zurück.

„Ich habe mir etwas ganz Reizendes ausgedacht“, sagte die kleine Nachbarin, „und meine Mama hat nichts dagegen: ich will Ihnen, wenn Sie es erlauben, früh jetzt immer ein wenig helfen; da kommen sie nach und nach in Übung und ich nicht heraus; darf ich das?“

Sie sah Martha so lieblich bittend an, daß diese sie gerührt umarmte.

„Ach, ich kann darüber ja nur ganz glücklich sein, und ich weiß ja ohnehin nicht, wann ich wieder ein Mädchen haben werde.“

„Ach“, sagte Suschen, „ich nähme mir gar keins wieder. Es ist doch zu erwarten, daß wir beide in der ersten Zeit noch allerlei Dummheiten machen; da ist es viel besser, wenn uns niemand dabei zusieht, und dann brauchen wir ja auch viel weniger zu kochen und können es feiner einrichten. Sie werden schon eine Frau finden, die morgens ein paar Stunden kommt und nach Tische noch ’mal; das ist viel billiger als ein Mädchen.“

„Ja, das wäre sehr gut“, sagte Martha, „ich muß mich so erst einwirtschaften. Meine Thränen heute Morgen galten viel weniger den Tauben, als der Angst und dem Kummer, daß ich viel mehr verbraucht habe, als ich eigentlich durfte.“