„Ach, ich kann gar nicht spielen“, sagte Luischen, „ich muß mein englisches Gedicht noch ’mal überlernen; das ist heute so schwer.“
„Wir müssen auch arbeiten“, erklärten Hans und Arthur; „die Probe auf unser Exempel paßt nie.“
„Ach“, sagte Martha fröhlich, „da kann ich mich vielleicht dankbar erweisen für den schönen Empfang, und euch ein wenig helfen.“
Es zeigte sich, daß Luischen erst um drei Uhr in die Schule mußte; Martha vertiefte sich also zuerst mit den Zwillingen in die Exempel. Es gelang ihr bald, den wunden Punkt zu finden, und von da aus war die Sache bald berichtigt.
Darauf setzte sie sich zu Luischen: „Nun lies mir ’mal zuerst dein Gedicht. Nein, liebes Luischen, so geht es wirklich nicht, du sprichst noch sehr falsch aus, und mir scheint, daß du an einigen Stellen auch den Sinn nicht recht verstehst, ich will dir jetzt immer Strophe für Strophe vorsagen, du sprichst mir langsam nach, und am Ende jedes Verses übersetzest du, was du gesagt hast.“
Es geschah, und Martha gelang es bald, der etwas flüchtigen Schülerin ihre Aufgabe klar zu machen: sie hatte nun selbst ihre große Freude daran, als dieselbe nach und nach alle Schwierigkeiten überwand.
„Bitte“, sagte Luischen, „nun lies du es noch ’mal ganz; das klingt so hübsch.“
Martha that es. Während ihres Lesens hatte sich leise hinter ihr die Thür geöffnet und Direktor Werners kluger Kopf war in derselben erschienen. Er sah recht wohlgefällig auf die Leserin.
„Das ist ja eine sehr gute Aussprache“, sagte er, als Martha fertig war.
Sie stand errötend auf.