Der Tag stets unvergessen sei,
Da wir uns bei der Rupferei
Gefunden.
Das ganze Bildchen war mit Vergißmeinnicht durchschlungen und sah allerliebst aus. Suschen war entzückt darüber. Ihr Vater betrachtete es lange; dann sagte er: „Suschen, die Karte mußt du mir ein wenig borgen, Du sollst sie richtig wieder haben; ich habe eine Absicht damit.“
Frau Feldwart fand den Umgang mit Werners so entschieden erfrischend und erheiternd für Martha, daß sie bald nichts mehr dagegen hatte, wenn diese auch einmal zu einer anderen Zeit eine Viertelstunde zu Suschen ging, und sie fing auch an, sich an dem fröhlichen Geplauder der Mädchen zu erfreuen, wenn diese herüber kam. Eines Sonnabends erschien sie mit der Bitte, Martha möge doch am Nachmittag einige Stunden mit ihnen spazieren gehen, die Eltern gingen auch mit; es sollten im Stadthölzchen Schneeglöckchen, Leberblumen und Anemonen gesucht werden. Es war einer jener wunderlieblichen Märztage, da die Sonne mit ihren warmen Strahlen die letzten Schneestreifen wegküßt und durch die Milde der Luft die Täuschung hervorgebracht wird, als sei man schon viel weiter in der Jahreszeit vorgerückt.
Man zog sehr fröhlich hinaus; die Mädchen trugen im Strickkörbchen, die Knaben in der Botanisiertrommel ihr Vesperbrot. Mariechen wurde vom Kindermädchen im Wagen vorausgeschoben, Gottfried ging meistens an der Hand der Mutter, die wie eine richtige Gluckhenne ihre Augen überall hatte, damit keines der Kleinen zu Schaden kommen sollte; die anderen schwärmten umher, lachend, singend und springend. Der Vater examinierte scherzhaft bald dieses, bald jenes Kind, bald deutsch, bald lateinisch.
Suschen ging an Marthas Arme, in höchst vertrauliche Mitteilungen vertieft, als plötzlich der Direktor rief: „Fräulein Martha, sehen Sie wohl dort den Turm?“
Sie sah ihn.
„Dort ist das Dorf und Gut, wo Ihre liebe Mutter geboren und erzogen ist und die alte Trude jetzt noch ihre Heimat hat; auch Ihre Urgroßeltern liegen dort begraben.“
„Ach, da möchte ich hin“, sagte Martha. „Aber freilich, es würde der Mutter zu schwer sein“, fügte sie traurig hinzu.