„Ich danke für Ihre Offenheit, Fräulein Martha! Gott behüte Sie!“

Sehr erleichtert und doch wehmütig kehrte sie ins Wohnzimmer zurück.

„Nun sag ’mal, Martha, was das für ein Ring ist, um den du so viel Umstände machst“, rief ihr die Mutter entgegen; „Pastor Frank konnte doch wirklich denken, daß es ein Verlobungsring sei.“

„Das ist er ja auch, Mütterchen, wenn auch nur der von der Urgroßmutter; da mir aber Siegfried keinen geben konnte, trage ich ihn jetzt als Verlobungsring.“

„Siegfried?“ rief die Mutter wie enttäuscht; „Du denkst noch an Siegfried?“

„Aber liebe Mama! natürlich denke ich an Siegfried; er ist des Morgens mein erster und am Abend mein letzter Gedanke!“

Die Mutter sah sie eine Weile sehr erschrocken an: „Also darum warst du so abweisend gegen den Pastor Frank?“

„Ich weiß nicht, ob ich abweisend war, Mama, aber es schien mir fast Schuldigkeit zu sein, ihn nicht im unklaren darüber zu lassen, daß mein Herz und meine Hand nicht mehr zu haben sind. Es ist ja sehr möglich, daß er ohnehin niemals danach verlangt hätte.“

„Martha, Martha!“ rief die Mutter schmerzvoll, „wie kannst du so festhalten an einem Traumbilde, das sich niemals, niemals verwirklichen wird. Du weißt, daß dein Vater Siegfried abgewiesen hat; er selbst hat dir geschrieben, er fordere kein Versprechen und gäbe dir keins; wer weiß, wo er jetzt ist und ob er überhaupt noch an dich denkt. Ach, wie war ich so glücklich in der letzten Zeit; wie hoffte ich, all’ unsere Not und Sorge sei am Ende, und ich könnte mein Kind wohlbeschützt zurücklassen, wenn Gott mich abriefe! Es ist doch eine Fügung Gottes, daß er dir gerade in Weißfeld begegnen mußte; du konntest da sein und da wirken, wo deine Urgroßmutter geschaltet und gewaltet hat. Martha, laß diesen kindischen Gedanken fahren; ihr waret ja beide noch viel zu jung.“

„Ja, Mama, wir sind beide noch jung, aber alt genug, um zu wissen, was wir aneinander haben, und uns in Treue festzuhalten auch übers Meer hinweg. Sieh, ich bin in diesem einen Jahre um vier Jahre älter geworden, aber wenn ich es schon vor der Trennung wußte: jetzt weiß ich es noch viel gewisser, daß ich keinen so lieben kann wie meinen Siegfried!“