So kam Weihnachten recht ernst heran. Die Mutter litt mehr als je. Werners Kinder hätten so gern der Martha ein Bäumchen geputzt, aber sie hätten es ihr doch nicht bringen dürfen; der armen Kranken mußte auch die leiseste Unruhe erspart werden.

Als die Glocken zur Kirche läuteten, saß Martha an ihrem Bette und las die Weihnachtsgeschichte. Ach! Das „Siehe, ich verkündige euch große Freude“, es war heute schwer zu fassen; ihre Stimme stockte beim Lesen.

Die Mutter hielt die Hand vor die Augen; nach einer Weile sagte sie: „Heute vor einem Jahre hatten wir unseren letzten glücklichen Abend, Martha! Dann ging das Elend an. Wenn uns damals einer gesagt hätte, wie Schreckliches wir erleben sollten!“ Sie seufzte tief.

Martha nahm sich zusammen, so viel sie konnte: „Ja, Mutter, wir haben viel durchgemacht, aber Gott hat uns auch recht dabei geholfen; wenn uns jemand vorher gesagt hätte, wie gut wir das Schwere ertragen würden, das hätten wir auch nicht geglaubt.“

„Es kommt noch schwerer, liebe Martha!“ fuhr die Mutter mit Anstrengung fort, „viel schwerer!“

Martha zitterte innerlich, aber sie kämpfte tapfer ihre Aufregung nieder.

„So wird er uns auch durch das Schwerste helfen“, sagte sie leise.

„Weißt du denn auch wohl, was ich meine, mein armes Kind?“

„Ja, liebe Mama, ich glaube, ich weiß es. Ach, ich sehe manchmal nichts vor mir als Dunkelheit; aber das Christkind ist ja da; seine Hand kann ich auch im Dunkel fassen, und es wird mich schon durchbringen, und dich auch, Mama.“

„Ich glaube, sie singen drüben bei Werners; möchtest du nicht dort sein?“