„Woher kannst du das alles, Phine?“

„Von meinem Großvater“, erwiderte sie; „sein Garten war sein Liebstes, und ich war, bis er starb, sein Gehilfe darin; ich liebe die Pflanzen gar zu sehr! Es fehlt mir hier nur eine sehr zierliche, feine Blattpflanze, die wir zuhause in Fülle hatten.“

„Weißt du den Namen nicht?“

„Nein, aber ich habe oben einige gepreßte Exemplare.“

Sie holte dieselben, um sie den Kindern zu zeigen, und alle waren erstaunt, wie schön sie gepreßt waren, wie unverletzt die Farben.

„Können wir das auch lernen?“ fragte Luischen.

„Freilich, das kann jeder lernen; ich werde heute Nachmittag recht viel Löschpapier holen und euch das Verfahren zeigen.“

Es ging nun mit Eifer ans Einlegen und Pressen; auch Martha trieb es, um die Ränder ihrer Zeichnungen mit dem getrockneten Gras und Moos zu schmücken; die Kinder suchten das nachzuahmen, und alle fühlten, wie schön es sei, wenn eins vom anderen nimmt und einer dem anderen giebt, viel schöner, als seinen Gedanken nachzuhängen und unbekümmert um die anderen seine einsame Straße zu ziehen. Ja, Martha und Suschen merkten zu ihrem Erstaunen, daß ihre einsamen Plauderstunden am Abend und Morgen nicht an Reiz verloren und viel an Reichtum gewannen, seitdem sie sich mehr den Interessen der anderen Hausgenossen anschlossen. Als Martha einmal teilnehmend Josephinen nach dem Großvater fragte, da kam die Goldstufe in dem Herzen der Enkelin wirklich zutage; hier verstand sie Martha nur zu gut; und als endlich der Gast wieder seiner Heimat zufuhr, schied er mit Thränen und wurde mit Thränen entlassen.

„Die Urgroßmutter hat doch wieder recht behalten“, sagte Martha.

Ja, die Urgroßmutter! ihre Papiere und Briefe lieferten reichen Stoff zu den Unterhaltungen der beiden Mädchen; denn Suschen durfte jetzt mit darin studieren. Sie interessierte sich besonders für die praktische Armenpflege, die oft darin erwähnt wurde, und wenn sie, ihr Körbchen am Arm auf Pastor Wohlgemuths Geheiß zu seinen Kranken ging, that sie dies fast nie ohne eine stille Erinnerung an die ehrwürdige Frau, und ohne die Freude, auf ihren Wegen zu gehen. Ihre Lieblingspatientin war eine junge Frau, aus Weißfeld stammend, welche bald nach ihrer Verheiratung eine Brustentzündung bekommen hatte und infolge davon schwindsüchtig geworden war. Sie sah Suschens Besuchen stets mit großer Sehnsucht entgegen; diese fühlte sich ihr gegenüber besonders frei, da die Leidende nur um wenige Jahre älter war als sie.