„O Martha! liebe Martha! Du sollst es ja zuerst und bis morgen ganz allein erfahren, was sich heute begeben hat und was ich ganz und gar noch nicht begreifen kann. Denke Dir, ich bin seit einer Stunde Braut, seine Braut! ach, und eine so glückliche! Ich wollte es ja erst gar nicht glauben, als Frank mir sagte, er habe mich lieb; aber zuletzt merkte ich es doch, und ich glaube es ja zu gern. Morgen früh nach der Vormittagskirche wird das Geheimnis enthüllt; bis dahin schweige wie ein Stummer! Ich kann es eigentlich gar nicht erwarten, bis Ihr Euch alle mit mir freut. Lobe den Herrn, meine Seele!
Deine glückselige Suse.“
Leicht wurde es der Martha nicht, zu schweigen wie ein Stummer, und obgleich sie mit keinem Worte sich verriet, wurde es doch Rösners an ihrem erregten, oft gedankenvollen, dann wieder freudigen Wesen klar, daß etwas Außergewöhnliches in der Luft sei, und besonders die jungen Mädchen kamen in ihren Vermutungen der Wirklichkeit ziemlich nahe. Die Erwarteten erschienen zeitig am Sonntagmorgen, Suschen im blendendsten Weiß. Vor dem Gottesdienste, den alle gemeinsam besuchten, blieb alles im gewöhnlichen Geleis. Pastor Frank predigte über den Spruch: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ Man merkte ihm an, daß der Dank sehr warm aus seinem Herzen kam, und als die Eltern nach der Kirche ihn und Suschen als Brautpaar vorstellten, wußten es alle, wofür er zu danken hatte, und der Jubel wollte gar kein Ende nehmen.
Jetzt konnte der Bräutigam nicht lange verweilen, da er den Nachmittagsgottesdienst noch vor sich hatte; aber beim Abendbrot da ging es an ein Feiern und Gesundheittrinken! Besonders Suschens Geschwister wurden es gar nicht müde, „Hoch!“ zu rufen, und der Bräutigam sah durchaus nicht aus, als hätte er schmerzliche Erfahrungen begraben müssen, um zur Freude dieser Stunde zu kommen; die liebliche Braut aber strahlte.
Als man nach Tische im duftenden Garten wanderte, sagte Suschen zu Martha: „Ich lasse es mir nicht ausreden — das Spinnrad der Urgroßmutter hat mir Segen gebracht!“
„Das ist möglich!“ bestätigte Frank vergnügt. „Gefallen hattest du mir sonst schon; aber daß du meine liebe Frau Pastorin werden möchtest, wünschte ich zum erstenmale, als ich dich hatte spinnen sehen.“
„Siehst du, Mama“, rief Suschen, „das Spinnen ist doch gut!“
„Das sollst du mir auch tüchtig weiter treiben, mein Suschen!“ versicherte der Bräutigam.
Diese sah ihn etwas zweifelhaft an: „Ob das möglich ist, wenn ich nun richtig was zu thun bekomme?“
„Ja, ist denn das Spinnen nicht etwas Ordentliches? Warum spinnst du denn?“