„Manchmal auch; aber das Elektrisieren ist so schrecklich, und Katharine war die ganze Zeit so schlimm zu mir, und das Hausmädchen thut mir immer so weh, wenn sie mich ankleidet!“

„Vielleicht kann ich das lernen!“ sagte Martha freundlich.

Es klingelte jetzt, und Lucie wußte, daß dies für sie das Signal sei, das Schwesterchen zu verlassen. Sie umarmte Fanny etwas stürmisch zum Abschied; das blasse Gesichtchen verzog sich schmerzlich.

„Lucie ist gut zu mir“, sagte sie, sobald dieselbe das Zimmer verlassen hatte, „aber sie denkt nicht daran, wo es mir weh thut. Sie kann auch wenig bei mir sein; sie muß sich noch so viel üben im Singen und Zeichnen und muß auch viel in Gesellschaft gehen; Mama sagt, das sei für ein Fräulein nötig.“

„Was thatest du denn heute Nachmittag?“

„Was sollte ich thun? Ich sah in die Wolken; die bekommen immer andere Gestalten; man kann sich Riesen, Ritter und Drachen darunter vorstellen, die führen Krieg, laufen hintereinander her und fressen sich auf; das ist so unterhaltend!“

„Kannst du nicht etwas lesen?“

„O, lesen kann ich gut; als ich gesund war, hatte ich Stunde. Aber es ist in den Büchern immer so vieles, das ich nicht verstehe, und es ist niemand da, der mir ordentlich antwortet, wenn ich frage, als höchstens manchmal Judith; aber sie hat sehr wenig Zeit.“

„Wie lange bist du denn so krank?“

„Ich glaube, seit zwei Jahren; da war ich einmal, heiß vom Spielen, ins Wasser gefallen. Der Gärtner holte mich wieder heraus, aber ich wurde nie mehr gesund; ist das nicht schändlich?“