„Verstehst du das auch, Fanny?“

„Natürlich; es ist eine andere Sprache als die, in der wir uns unterhalten; aber man fühlt ganz deutlich im Herzen, wie es gemeint ist.“

Jetzt wurde präludiert; eine sehr frische, jugendliche Stimme sang reizende Lieder von Franz und Schumann; beide Zuhörerinnen lauschten.

„O, das ist schön!“ rief Martha.

„Geben Sie acht, wenn Judith singt, ist es noch schöner; das war Lucie!“

Ja! Jetzt ertönte es unten: „Leise, leise, fromme Weise, Schwing dich auf zum Sternenkreise etc.“ Welche edlen, vollen, weichen Töne, welche vollendete Auffassung! Sie hätte kaum der stolz erscheinenden Judith solchen Gesang zugetraut; das kam aus dem Innersten — daran war nicht zu zweifeln! Es war eine solche Wärme im Vortrag, daß Martha mit Entzücken zuhörte. Es war ihr sonderbar zumute; sie war zu lange und zu gern in der großen Geselligkeit zuhause gewesen, um nicht das Gefühl zu haben, daß sie dort unten ganz an ihrem Platze sein würde und ihre frische Singstimme wohl auch zur allgemeinen Freude erschallen lassen könne.

„Wären Sie gern unten?“ fragte Fanny.

Martha fuhr aus ihrem Traume empor, dem sie einige Minuten nachgehangen hatte: „Ich bin auch gern hier bei dir, Fanny!“

„Ja, und Sie sind auch noch viel besser dran als ich; Sie haben doch Beine und könnten hinuntergehen, und würde Ihnen auch nicht gleich schlecht von all dem Lärm.“

Man hörte jetzt unten vermehrte Bewegung.