Gleich nach dem Frühstück kam Judith in sehr sauberem, elegantem Morgenanzuge, um zu fragen, wie ihr Schwesterlein geschlafen habe, und brachte einen sehr fein gebundenen Blumenstrauß mit. Fanny klagte, sie habe viel geträumt, Martha mußte bestätigen, daß sie recht unruhig gelegen und oft im Traume geseufzt habe.

„Das haben Sie durch die Thür hören können, Fräulein Feldwart?“

„O nein“, antwortete Martha, „ich ließ dieselbe ein wenig zwischen uns offen.“

„Hast du das gewünscht, Fanny?“

Fanny nickte.

Judith dachte ein wenig nach: „Das geht durchaus nicht; wenn Fräulein Feldwart den ganzen Tag über bei dir sein soll, muß sie in der Nacht völlige Ruhe haben; hörst du, Fanny?“

Martha bat: „Ich bin jung und gesund und würde doch nach Fanny hinhören, wenn auch die Thür zwischen uns geschlossen wäre! Vielleicht schläft auch mein armer, kleiner Zögling ruhiger, wenn sie diesen Abend nicht so viel Zuckerwerk und Eis bekömmt.“

„Also doch wieder!“ sagte Judith nachdenklich und ging nach einer kleinen Weile.

Fanny war verdrießlich: „Sie sind gerade so streng wie Judith, die will mir auch immer kein Zuckerwerk geben!“

„Ja, Fanny, weil wir beide wünschen, du mögest bald gesund werden; da möchten wir dir nichts geben, was dir schaden kann.“