Der nicht sehr robuste Meinhard war den abenteuerlichen, gehetzten Fahrten kaum gewachsen. Trist und apathisch saß er, während die andern zechten, schlief zuweilen im Sitzen ein. Mehr und mehr glichen seine Reisen einer Flucht. Im ganzen Süden besaßen die Artusritter keine Stadt, keine Burg mehr. Sie wurden immer mehr zur Donau abgedrängt, wo ihre festesten Burgen lagen. Noch immer erließen sie hochfahrende Edikte, bedrohten Meuterer mit den grausamsten Strafen. Sie flohen nach Neuburg, dann in das Gebiet des Bischofs von Eichstätt, der ihnen ergeben war. Die Truppen Herzog Stephans besetzten ganz Oberbayern, belagerten schließlich Meinhard mit den letzten seiner Anhänger in Schloß Feuchtwangen im Altmühltal. Der Bischof von Eichstätt suchte sich mit Herzog Meinhard verkleidet durchzuschlagen. Der junge Herzog ging eifrig darauf ein; er hatte viel Spaß an der Kostümierung und keine Ahnung, worum es eigentlich ging. Allein schon in Voburg wurden sie von Bauern erkannt, festgehalten, dem Herzog Stephan nach Ingolstadt ausgeliefert.

Feuchtwangen fiel. Prinz Friedrich und die Letzten der Artusritter wurden gefangen.

In der Hofburg von Ingolstadt standen sich der Herzog und Prinz Friedrich gegenüber. In Gegenwart der Agnes von Flavon-Taufers. Der Herzog in Rüstung, schäumend. Städte und Dörfer kaputt, Menschen hin, Geld vergeudet. Alles wegen des dummen Jungen. Soldatisch knarrte er unter dem dicken Schnurrbart aus ehernem Gesicht. Der Junge stand schlank, mit verfinsterten, verwilderten Augen, den Arm verwundet, im Verband, grau das Gesicht. „Du wirst Abbitte tun, in der Kirche, vor allem Volk, dich unterwerfen!“ kommandierte der Vater. Der Junge lachte nur, höhnisch. „Ich lass’ dich verfaulen in meinem stinkigsten Gefängnis!“ tobte der Herzog.

Agnes glitt von einem zum andern. „Der Verband muß erneuert werden,“ sagte sie besorgt, nestelte daran herum.

„Diese Ärzte!“ schimpfte der Herzog. „Lauter Pfuscher!“ Er lief selbst nach Arzt und Verbandzeug. „Der Teufelsjunge!“ fluchte er.

Langsam, hart feilschend, während Agnes vermittelte, kamen sie überein. Um jeden einzelnen der Artusritter, Begnadigung, Höhe der Bestrafung, gab es erbitterten Kampf, Ausbrüche, Schäumen, Toben. Zweimal wies Herzog Stephan den Henker an, sich bereit zu halten. Endlich fügten sie sich zu leidlichem Frieden. Meinhard wurde München als ständige Residenz zugewiesen; Prinz Friedrich führte weiter sein Siegel, doch bedurften seine Verordnungen der Gegenzeichnung eines niederbayrischen oder eines rheinpfälzischen Rates. Zwischen München und Landshut-Ingolstadt vermittelte Agnes.

Herzog Meinhard lächelte sanft und dankbar. War froh, daß er nach den wilden Wochen ausruhen durfte. Streichelte sein Murmeltier.

Margarete hielt Rat mit ihren Ministern. Anwesend waren der Vogt Ulrich von Matsch, der Pfarrer Heinrich von Tirol, Graf Egon von Tübingen, Landeskomtur des Deutschen Ordens in Bozen, Jakob von Schenna, Berchtold von Gufidaun, Konrad von Frauenberg.

Was war, nachdem Herzog Stephan Macht und Einfluß in Oberbayern an sich gerissen, zu tun?